23.Spieltag: Köln – Hannover 1:1

„The same procedure as every weekend“ mochte so mancher FC-Fan vor dem samstäglichen Heimspiel gegen Hannover 96 gedacht haben. Denn Mainz 05 hatte am Vorabend seine Pleitenserie mit einem 2:0 bei Hertha BSC beendet und somit den Abstand zwischen dem FC und dem Relegationsplatz auf nun schon zehn Punkte anwachsen lassen. Hatte man doch insgeheim gehofft, mit einem Heimsieg gegen Hannover 96 und einer Auswärtsniederlage von Mainz 05, auf vier Punkte an Platz 16 ran rücken zu können, war die Enttäuschung nun bereits recht groß. Um es vor weg zu nehmen – wirklich besser wurde das Gefühlsleben auch am heutigen Samstag nicht.

Wieder Samstag, wieder 15:30Uhr. Es kann doch alles so einfach sein, um die Stadionbesucher glücklich zu machen. Wir trafen uns heute, wie gewohnt, vor einer Kneipe in Stadionnähe um uns auf das Spiel ein zu stimmen. Karneval war vorüber und der ein- oder andere versuchte sich nun an der Fastenzeit, während andere kurz vor der morgendlichen Abfahrt des RE7 noch eine Flasche Whiskey aus dem heimischen Regal zauberten. Auch ein Mitglied unserer Gruppe, welches seit 1 ½ Jahren jobtechnisch in den USA unterwegs war, konnten wir heute endlichen mal wieder in unserer Mitte begrüßen.

Gegenüber der Niederlage in Frankfurt begannen heute Risse und Osako für Lehmann und Cordoba in der Startelf. Das Spiel war von Anfang an hart umkämpft. Die erste Abschlussmöglichkeit der Gäste durch Bebou konnte Timo Horn abwehren (17.). Nach einer halben Stunde knallte Yuya Osako, nach einen Freistoß von Jonas Hector, einen satten Schuss zum umjubelten 1:0 für den FC in die Maschen (29.). Im Anschluss schwamm die FC Abwehr ein ums andere Mal (31./34./36./41.) und hatte Glück, dass nur Niclas Füllkrug bis zur Halbzeit zum 1:1 für die Gäste traf (37.).

Im zweiten Durchgang änderte sich am Spielniveau wenig. Es war geprägt von Zweikämpfen und Fehlern auf beiden Seiten. Abschlussmöglichkeiten ergaben sich lediglich durch Klaus (57.), Karaman (68.) und Harnik (90.) für die Gäste sowie Osako für den FC (81.). Zudem sahen die Unparteiischen Simon Zoller (63.) und Simon Terodde (51.) fälschlicher Weise im Abseits. Beide Spieler wären alleine auf das Tor von 96-Keeper Philipp Tschauner zugelaufen.

In der letzten Minute der Nachspielzeit erzielte Claudio Pizarro das vermeintliche 2:1 per Flugkopfball für den FC (94.). Das Stadion explodierte vor Freude und Glück. Als nach einer Minute Hannover 96 am Mittelkreis anstoßen wollte, deutete Schiri Markus Schmidt an, dass der Videoassistent eine korrekte Abseitsstellung von Vorlagengeber Marcel Risse gesehen hatte. Das Tor wurde entsprechend annulliert und das Spiel endete 1:1.

Ich packe mich ehrlich gesagt an den Kopf, wenn gesagt wird, der Videoassistent macht das Spiel gerechter. Der Schiedsrichter Markus Schmidt hatte heute die Spielführung inne. Zweimal hat ein FC-Spieler in Durchgang zwei die Möglichkeit, alleine auf das Tor und den Keeper von Hannover 96 zu zulaufen und wird zu Unrecht zurück gewunken (Abseits). Ich stelle mir die Frage, wieso greift bei einer solchen Fehlentscheidung des Linienrichters gleichermaßen kein Videoassistent ein? Ganz ohne Videoschiedsrichter wäre dieses Spiel vermutlich gerecht verlaufen. Mit dem Videoschiedsrichter wird dem Linienrichter, als auch dem Schiedsrichter die Möglichkeit einer eventuellen Konzessionsentscheidung genommen. Kurzum, der Videoschiedsrichter kennt „die Geschichte des Spiels“ nicht und bewertet nur diese eine Situation in der 94. Minute.

Unabhängig von diesem Spiel, hat unser Konkurrent im Abstiegskampf, der Hamburger SV, vor gerade einmal zwei Wochen, durch ein klares Abseitstor ein 1:1 bei RB Leipzig erzielt. Damals hieß es, der Videoschiedsrichter hätte nicht die Möglichkeit, eine eventuelle Abseitsstellung anhand von kalibrierten Linien auf dem Monitor zu erkennen, und somit in das Spiel ein zu greifen, um den Schiedsrichter/Linienrichter zu unterstützen. Am heutigen Tag war es überraschender Weise nun doch möglich.

Wohl jeder Stadionbesucher und jeder Verein in der Liga war mittlerweile der Willkür (Positiv oder Negativ) dieses neuen Instruments ausgesetzt. Der Videobeweis macht diesen Sport nicht gerechter, er macht diesen Sport kaputt. Emotionen im Stadion wird man nicht auf Knopfdruck erzeugen oder unterdrücken können. Und genau diese gemeinsamen Emotionen im Kreise deiner Fanszene sind es, die das Stadionerlebnis so besonders machen (gegenüber z.B. einem Sky-Abo). Es wird auch mit einem Videoassistenten weiterhin viele strittige Entscheidungen geben, die nicht zu 100 Prozent gelöst werden können. Aber die Begeisterung und die Emotionalität dieser wunderbaren Sportart zerstört man mit der Einführung einer solchen Technik definitiv.

Come on FC

pannemann