24.Spieltag: Leipzig – Köln 1:2

Die Spieltagsansetzung der DLF bescherte dem 1.FC Köln am dritten Februarwochenende ein Gastspiel bei RB in Leipzig. Da der Gastgeber im Gegensatz zu uns noch nicht aus dem Europapokalwettbewerb ausgeschieden ist, wurde das Spiel am Sonntag um 18:00 Uhr im Zentralstadion angepfiffen. Warum nicht das Spiel der beiden Westmannschaften, welches bereits am Nachmittag stattfand, auf diesen Zeitpunkt gelegt wurde, bleibt zumindest dem auswärtsfahrenden Stadionbesucher ein Rätsel, aber der zählt ja in letzter Zeit gefühlmäßig immer weniger bei der Vermarktung dieses Sportes.

Die aktive Fanszene des FC und somit auch unsere Gruppe, entschied sich, wie im Jahr zuvor, dem Spiel nicht beizuwohnen und so seine Ablehnung gegen das Gebilde RB Leipzig und seinen Machenschaften im Volkssport Fußball Ausdruck zu verleihen und nicht den „Kunden“ noch eine Atmosphäre stiftende Gästekurve für diese Show zur Verfügung zu stellen.

Ich allerdings wurde vom Fanprojekt des 1.FC Köln dazu aufgefordert meine Auswärtsdauerkarte vor Ort zu überprüfen lassen. So entschied ich mich letztendlich ca. eine Woche zuvor doch nach Leipzig zu fahren.

Aus meinem letztjährigen Besuch in Leipzig wusste ich, dass die Stadt einiges an touristischen Potenzial besitzt und da bei der Deutschen Bahn noch günstige Zugticket für den frühen Morgen im Angebot waren machte ich mich an diesem Sonntag zeitig auf den Weg nach Sachsen.

Durch die frühzeitige Ankunft und den späten Anstoßzeitpunkt im Zentralstadion hatte ich noch ausreichend Zeit, um das für den frühen Nachmittag angesetzte Regionalligaspiel zwischen der BSG Chemie Leipzig und dem VfB Auerbach besuchen zu können.

So wurde bei sonnigem, aber auch eisigem Wetter nur ein kleiner Abstecher in Innenstadt unternommen, bevor ich mich zu Fuß nach Leipzig Leutsch aufmachte. Bei meinem knapp zweistündigen Spaziergang sah ich meine Erfahrungen aus dem letzten Jahr wieder bestätigt und muss sagen, dass mir die Stadt Leipzig positiv in Erinnerung bleiben wird. Viele Straßen und Häuser machten auf mich einen ordentlichen Eindruck und man merkt, dass die Entwicklung von Großstädten in den letzten Jahren eine ordentliche Geschwindigkeit aufgenommen hat.

Am Stadion der BSG Chemie angekommen erblickte ich dann das nächste architektonische Highlight, den Alfred Kunze Sportpark. Ein kleines, etwas in die Jahre gekommenes, aber teilweise auch sehr liebevoll gepflegtes Stadion. Nach dem ich eine Eintrittskarte erworben und die sehr entspannte Sicherheitskontrolle trotz meines kleinen Reisegepäcks überstanden hatte, konnte man viele Menschen bereits ca. eine Stunde vor Anpfiff beim Diskutieren und Verzehr von Heiß- und Kaltgetränken oder warmen Speisen beobachten.

Ich war nicht der einzige Anhänger des 1.FC Köln der den Ausflug nach Leipzig nutzte um sich auch dieses Fußballspiel anzuschauen und so traf ich auf einige bekannte Gesichter zu Beginn des Anpfiffs.

Das Spiel endete bei eisigen Temperaturen vor gut 2.000 Zuschauer, nach 0:2 Rückstand der Gastgeber noch 2:2 unentschieden. Ein gelungener Fußballausflug zum frühen Nachmittag.

Nach dem Spiel ging es dann per ÖPNV zurück zum Hauptbahnhof, von wo nach einem kurzen Aufwärmstop das Zentralstadion angesteuert wurde. Auch hier muss ich sagen, dass ich durchaus wieder positiv vom Stadion begeistert bin. Die Lage und der Umgang mit dem alten Stadion durch Positionierung des Neubaus in das alte Rund finde ich sehr gelungen und stellt meiner Meinung nach eine deutliches Alleinstellungsmerkmal gegenüber vielen anderen neuen Stadien dar.

Nachdem der Gästeblock entlang einer endlos wirkenden Polizeiansammlung (man fragt sich warum bei so einem Spiel?) gefunden war und die hier sehr penibel durchgeführten Sicherheitskontrollen überstanden waren, konnte ich noch pünktlich zum Anpfiff ein weiteres Crewgesicht im Gästeblock begrüßen.

Der FC geriet schnell in Rückstand und auch die restliche erste Halbzeit wirkte der Gegner überlegen. Erst in der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild auf dem Platz und der FC konnte durch Koziello ausgleichen und danach sogar durch Bittencourt in Führung gehen. Diese Führung wurde dann glücklicherweise über die Zeit gerettet und so verließ der FC an diesem Tag überraschenderweise als Sieger das Zentralstadion. Ich machte mich umgehend mit dem Abpfiff auf den Weg zurück zum Hauptbahnhof, wo  ca. 45 Minuten später mein Zug mich wieder Richtung Norddeutschland fuhr.

Im Zug ließ ich dann den Fußballtag Revue passieren. Es gibt einem schon teilweise stark zu denken, wenn man sich bewusst macht, mit welcher Macht und welchem Einsatz RB versucht aus diesem Fußball Profit zu schlagen und die Leute vor Ort in Leipzig, aber genauso die Leute vor den vielen Fernsehern es bereitwillig annehmen, ohne zu hinterfragen was für Auswirkungen und Konsequenzen dies teilweise hat.

Wenn man nach dem Spiel am Hauptbahnhof auf RB Fans trifft, denen die Niederlage Ihrer Mannschaft komplett gleichgültig zu sein scheint, weil man ja gut unterhalten wurde und man sich fragt ob wirklich nur der technisch hochwertige und schön anzuschauende Fußball zusammen mit der Stadionunterhaltung das Erlebnis ausmacht, oder ob nicht die Liebe zu seinem Verein, welche man mit seinen Freunden teilt und gemeinsam feiert oder leidet, das Fußballerlebnis auf eine höhere Stufe hebt.

Das können natürlich nur Fans und keine Konsumenten nachvollziehen, aber denen ist dies glaube ich relativ gleichgültig.

Für mich war dies ein weiterer denkwürdiger Fußballtag. Die Rahmenbedingungen waren hervorragend, doch das Erlebnis bei RB, auch im Verhältnis zum Fußballerlebnis bei der BSG Chemie an diesem Tag, machte einem sehr deutlich, dass man als Fan eines traditionsreichen Profivereins bereits sehr viele Veränderungen hinnehmen musste und auch hingenommen hat, weil man gefühlsmäßig oftmals nur sehr wenig dagegen ausrichten kann. Trotzdem stellt Fernbleiben und mein Hobby aufgeben für mich keine dauerhafte Alternative dar.

Der Umgang mit RB Leipzig wird weiterhin ein viel diskutiertes Thema bleiben und meiner Meinung nach sind mehrere Wege diskutier- und gehbar. Ich bin der Meinung, dass es nicht die eine einzig und alleine richtige Protestweise gibt, aber nach diesem Tag muss ich zugeben, dass ich Zweifel daran habe ob der Protest überhaupt noch ausreichend Gehör in unserer (Fußball)gesellschaft findet.

Das Produkt Fußball scheint in Leipzig zumindest angekommen und akzeptiert zu sein.

Trotz alledem: Keep fighting!

Major