16.Spieltag: Regensburg – Köln 1:3

Das letzte Auswärtsspiel im Kalenderjahr 2018 führte uns nach Regensburg. Im Jahr 2012 erlebten wir das bisher erste und einzige Pflichtspiel des FC in Regensburg, an das sich wohl jeder Anwesende erinnern kann. Wir charterten an besagtem Samstag einen Bus, und der FC drehte einen 0:2-Rückstand ab der 87.Minute in einen 3:2-Sieg. Als Ujah (87.), Maroh (90.) und Bigalke (90.) trafen, waren einige FC-Fans bereits auf dem Heimweg und konnten sich nach dem Spiel von den Leuten aus dem Gästeblock so einiges anhören. Zwischenzeitlich errichtete der heutige Gastgeber ein neues und modernes 0815-Stadion. Der Reiz und der Hunger auf eine ähnlich legendäre Tour war riesengroß und so überlegte man sich für den Ausflug nach Bayern mal wieder etwas Besonderes.

Mit dem „Quer-Durch’s-Land-Ticket“ sollte der Hinweg mit dem Nahverkehr der Deutschen Bahn bestritten werden, während für den Rückweg der Nachtzug anvisiert wurde. 17 Euro für die Hinfahrt und 22 Euro für die Rückfahrt setzte unserem Vorhaben preislich die Krone auf. Da das „Quer-Durch’s-Land-Ticket“ erst ab 9 Uhr gültig ist, entschieden wir uns für Siegen als Startpunkt, da hier alle Mitreisenden (Dank Auto, Job- oder Studententicket) kostenfrei anreisen konnten.

Um 6Uhr klingelte schließlich mein Wecker. Das war aber gar nicht nötig, weil man, gegenüber einem normalen Freitag, an dem man zur Arbeit muss, aus irgendeinem Grund schon vorher hellwach und motiviert aus dem Bett springen konnte. Mit entsprechender alkoholischer Grundversorgung sollte es mit der Straßenbahn zum Kölner Hbf gehen. Die Bahn-App zeigte allerdings eine technische Störung mit entsprechender Verspätung unseres Zuges nach Siegen an. Bei 4 Minuten Umsteigezeit in Siegen eher uncool. Also erst einmal das Auto genommen und in Porz auf die weitere Entwicklung gewartet. Zum Glück holte die Regionalbahn die Verspätung wieder rein und somit konnte ich in Porz die weiteren Jungs aus Köln im RE begrüßen. Während wir das erste Radler öffneten, erntete man verachtende Blicke der arbeitenden Bevölkerung. Dieses änderte sich jedoch in Hennef(Sieg). Hier schlenderte ein Mann mittleren Alters mit einer Oettinger-Dose in unserer Fahrradabteil und fragte uns umgehend, ob wir ihn in Eitorf aufwecken können, falls er einschläft. Als wir ihm entgegneten, dass als Eitorf bereits die nächste Station ist, sagte er, dass ihm das bewusst sei. Im weitern Gespräch stellte sich heraus, dass der gute Mann auf einer privaten Hausparty die ganze Nacht durchgefeiert hatte und nun als Zeuge zu einem Gerichtstermin wegen einer Messerstecherei geladen war. Im Anschluss sollte es dann zur Arbeit gehen. Kurz vor Eitorf kamen wir überein, dass der Faustkampf die einzige und ehrlichste Art einer Auseinandersetzung ist. Wir verabschiedeten uns also um kurz vor 8 von dem Kollegen und erreichten wenig später Siegen Hbf.

Hier wartete bereits unsere Autotransfer-Abordnung und hielt die Türen des nun abfahrenden Regionalexpress nach Gießen für uns offen. Da drei Leute aus dem Ruhrpott mit ihrer Regionalbahn ebenfalls Verspätung hatten, verpassten diese unseren RE nach Gießen. Wir stiegen daher eine Station später (in Haiger) aus, da wir deren QDL-Tickets hatten und eine Alternative für uns nicht in Frage kam – alle Gemeinsam oder keiner! Eine Stunde in Haiger am Bahnhof kann verdammt lang sein. Nicht aber, mit einem DJ aus Soest, Krombacher aus dem Sauerland, einem Geburtstags-SV’ler sowie umfangreichen Party und Geburtstags-Deko-Artikeln.

Schließlich ging es mit der hessischen Landesbahn und der nun kompletten Truppe, mit einer Stunde Verspätung weiter in Richtung Frankfurt Hbf. Die Bahn App lief inzwischen heiß, da wir vergeblich nach einer schnelleren Nahverkehrs-Verbindung nach Regensburg suchten (Ankunft 17:45Uhr – Anstoß 18:30Uhr). Die einzige Option stellte ein ICE von Frankfurt nach Aschaffenburg, bzw. Würzburg dar. Bei einer Pulle Frankfurter Apfelwein wurde im Hbf also der weitere  „Schlachtplan“ für den ICE entwickelt. Wir fanden uns schließlich mit alle Mann in einem Zwischenabteil am Ende des ICE wieder und postierten je einen schlagfertigen, ruhigen, relativ nüchternen, kommunikativen und sympathischen jungen Mann an einen der beiden Eingangstüren. Allen war die Anspannung an zu merken, denn es stand a) die erste HZ vom FC auf dem Spiel und b) vermutlich auch 60,00 EUR für das Fahren ohne gültiges Ticket. Es dauerte auch keine 5 Minuten und man sah von weitem einen recht gut genährten, langhaarigen und jungen Ticketkontrolleur auf uns zu kommen. Mit Bedauern gaben wir ihm zu verstehen, dass wir aufgrund der langen Schlange im Service-Point in FFM keine Zeit mehr hatten für einen Verspätungsbeleg und eine Neubuchung, weshalb wir überhastet in diesen Zug gestiegen sind. Sofern wir uns ruhig verhalten würden stand seinem Ermessen nach einer Mitfahrt bis Aschaffenburg nichts im Wege. Da unser ICE allerdings auch einige Minuten Verspätung hatte, mussten wir das „black-Ticket“ noch bis Würzburg ausreizen, da wir sonst den Anschluss in Aschaffenburg verpasst hätten.

In Würzburg war die Freude schließlich riesengroß, dass wir wieder „im Fahrplan“ waren. Mit einem eigenen Zugabteil konnte nun auch endlich gemeinsam Geburtstag gefeiert werden. Nachdem ordentlich dekoriert wurde, jagte eine Pfeffi-Runde die nächste. Ein ziemlich verplanter Sankt-Gallen-Fußballasi leistete uns Gesellschaft und sorgte für so einige Lacher, bevor wir beim Umstieg in Nürnberg endlich einen neuen Kasten Helles im örtlichen REWE ordern konnten. Unser Geburtstagskind war mittlerweile auf Betriebstemperatur und ohne Respekt gegenüber den bayrischen Uniformträgern der deutschen Bahn, welche den Festtagsschmuck als Gefahr für Leib- und Leben ansahen. Trotz übler Beleidigungen wurden die Girlanden schließlich entfernt.

In Regensburg ging es mit den Shuttlebussen relativ easy zum Stadion, welches dann allerdings unnötiger Weise einmal komplett umlaufen werden musste. Im Gästeblock feierte die Wilde Horde mit einer Choreo-Aktion ihren 22.Geburtstag. – Alles Gute von unserer Seite!

Verletzungsbedingt musste die Startformation gegenüber dem 4:0-Sieg gegen Fürth auf zwei Positionen verändert werden. Für Höger und Schaub begannen Özcan und Koziello. Auf das hohe Pressing des Heimteams war der FC perfekt vorbereitet und führte zur Halbzeit verdient mit 2:0. Terodde (11.) und Drexler (41.) trafen für den FC. Im zweiten Durchgang schien Adamyan mit seinem Treffer zum 1:2 (54.) das ausverkaufte Stadion (15.210 Zuschauer) wieder wach zu küssen. Im direkten Gegenzug stellte Dominick Drexler den alten Abstand jedoch wieder her (55.) und sorgte so für etwas Ruhe in der Hütte. In der Schlussphase wurde es, durch zwei zurecht aberkannte Regensburger Treffer (76./86.) und einer roten Karte nochmal hektisch. Letztlich konnte der FC aber einen extrem wertvollen und wichtigen Auswärtssieg landen. Die Mannschaft scheint sich in dem neuen 3-5-2-System gefunden zu haben und macht aktuell extrem viel Spaß.

Nach Abpfiff wurde zunächst an den Fanbussen gemütlich ein Bierchen getrunken, ehe tatsächlich noch zwei Shuttlebusse den fast verwaisten Gästeparkplatz erreichten. Eine kleine Anmerkung noch zur Stadionausgabe der Ultras Regensburg. Auch wenn man zu jedem Spiel mit seiner Gruppe unterwegs ist, ist man nicht gleich eine Ultra-Gruppe 😉

Für uns galt es nun, die Zeit bis zur Abfahrt des Nachzuges um 0:20Uhr in einem der vielen Brauhäuser der Stadt zu überbrücken. Wir entschlossen uns für die Brauerei Kneitinger in Mitten der Altstadt. Trotz des Regenwetters war der Abend in der Altstadt ein absoluter Traum. Viele junge Menschen unterwegs, gutes Bier und Essen sowie tolle Kneipen und Brauhäuser. Dementsprechend ging der Abend rasend schnell vorbei und wir traten tatsächlich vollzählig am Gleis an, um mit dem Nachtzug nach Köln zu fahren.

Am Gleis trafen wir den Unternehmensberater Ralf, der sich scheinbar etwas zu stark die Nase gepudert hatte und ähnlich sangesfreudig die Einfahrt des Nachtzuges abfeierte. Mit einem Sack Streusalz vom Gleis war des Eis gebrochen und wir erlebten in den 6er-Zugabteilen eine einmalige Performance von „Ralle“. Während zunächst ein fremder BH einer Mitreisenden die Runde machte (mutmaßlich D-Körbchen), gab es im Anschluss einige Lebensweisheiten von „Ralle“ sowie eine Gesangs- und Tanzeinlage zu hören/sehen. Nach über 24 Stunden mit diesen verrückten Hunden erreichte der Nachtzug schließlich um 8:15 Uhr den Kölner Hbf. Während die Sektion Ruhrpott nun den Sangria Eimer füllte und die Nachzugfahrt in Richtung Hamburg spontan verlängerte, war für das Rheinland die Reise beendet. Viel mehr kann man von so einem Tag einfach nicht erwarten. Hätte man es sich ausmalen können, wäre der Tag vermutlich exakt so verlaufen. Danke an alle Mann für diesen sensationellen Partymarathon. So kann und muss es weitergehen!

Come on FC

pannemann