Europa League: Arsenal London – Köln 3:1

Nun war es endlich soweit. Unser großer Traum, einmal im Leben mit dem FC international zu spielen, sollte am 14.09.2017 wahr werden. Für das Spiel bei Arsenal London charterten wir einen 49er Bus, dessen Fahrer Murat uns gegen Mitternacht an den Treffpunkten in NRW einsammelte. Die Vorfreude war allen anzumerken.

Dennoch hielt Vernunft Einzug und so wurde auf übermäßigen Drogenkonsum während der Nachtfahrt verzichtet, um am Donnerstagmorgen einigermaßen fit zu sein. Zu ein paar Klassikern der Filmgeschichte  („Wir waren das Miljö“ oder auch „Ballermann 6“) versuchte der Großteil der Besatzung ein paar Stunden zu schlafen. Dennoch gab es immer wieder einen Lacher nach dem anderen.

Um 5:30Uhr war es dann mit der Ruhe vorbei. Denn bevor wir mit dem Bus via Fähre den Ärmelkanal überbrücken durften, ging es zur Passkontrolle aller mitreisenden. Vollzählig fanden wir uns schließlich im Restaurant der Fähre wieder, wo die meisten mit frisch gezapftem Cider oder Budweiser in den Europa League Tag starteten. An Deck konnte man den Sonnenaufgang bewundern, ehe sich am Horizont die Kreidefelsen der Küstenstadt Dover abzeichneten.

Mit sonnigem Wetter, guter Musik und kühlen Getränken ging es dann auf die letzte Etappe von Dover nach London. Hier sah man auf der Autobahn und im Stadtverkehr bereits einige FC-Fans auf der Anreise. Trotz etwas Stau erreichten wir das Emirates Stadium gegen 10Uhr. Dort ließen wir unseren Bus zurück und machten uns euphorisiert auf dem Weg zum Treffpunkt der Fanszene. Nachdem sich alle mit Tickets für die Tube eingedeckt hatten, konnten wir auf direktem Wege durchfahren ins Vergnügungsviertel „Soho“. Die auserkorene dreistöckige Kneipe war bereits gesäumt von vielen bekannten Gesichtern. Stunde um Stunde füllten sich die Location und der Außenbereich. Genauso hatten wir es uns wohl alle erträumt. Einfach Wahnsinn.

Nach einigen Stunden ging es dann weiter zum ausgerufenen FC-Fan-Treffpunkt. Mit einem lautstarken Marsch durch die Londoner City, welcher im Anschluss auf diversen Videos durch das Netz geisterte, konnte man sein ganzes Glück heraus schreien. Aufgrund des fortschreitenden Getränkekonsums und der Maße an Menschen am zweiten Treffpunkt, hatte sich unsere Gruppe zwischenzeitlich etwas aus den Augen verloren.

Während die einen sich etwas zu futtern einwarfen, besuchten andere das alte Highbury Stadion (bzw. die übergebliebene Hauswand) und die historische Fankneipe. Meine beiden Begleiter und ich schlenderten etwas verwirrt durch eine Seitenstraße und kamen mit einer alten englischen Hausfrau ins Gespräch. Diese fragte uns schließlich, ob wir ihr helfen könnten ein paar Steine aus dem Auto in ihren Garten zu schleppen. Während meine Begleiter los legten, fragte ich mich, von was für Gärten diese Britin redet. Scheinbar gibt es doch Häuser in England, die hinten heraus einen Garten haben. Mit einem letzten, geruchsintensiven Gruß in die Keramik, verabschiedeten wir uns von der Mutti und fanden den Rest unserer Truppe vor einer abgelegenen Kneipe wieder. Bei herrlichem Sonnenschein, gönnten wir uns mitten auf der Straße die halben Liter.

Eine gefühlte Stunde später, machte sich unser leicht angetrunkene Haufen auf in Richtung Stadion. Auf einer Brücke vor dem Gästeblock warteten bereits alle FC-Fans auf das Öffnen der Stadiontore. Mein Partner und ich mogelten uns links an der Brückenwand vorbei in die erste Reihe und waren exakt zur Öffnung der Stadiontore vorne angekommen. An einem Seiteneingang waren wir die ersten Fans in der Kontrolle und hatten nur wenige Minuten später das Stadion geentert. Nun passierte überraschender Weise erst einmal gar nichts mehr. Abgesehen von 50-60 FC-Fans kam keiner mehr ins Stadion. Da wir auch nicht wussten was draußen abging, fanden wir in dem Leiter der Security Firma (im Stadioninnenraum) einen gut informierten Partner. Mit ihm quatschten wir in den nächsten zwei Stunden über den Fußball in England und Deutschland. Irgendwann war dann auch klar, dass das Spiel ein Stunde später angepfiffen wird. Grund dafür war der große Gästefanandrang.

Kurze Zeit später sichteten wir im Innenraum des Stadions ein Crewmitglied mit Horst-Hrubesch-Gedächtnis-Turban. Glücklicherweise konnte die betreffende Person das Spiel mit uns im Gästeblock verfolgen. Während sich das Stadion nun langsam füllte, konnte man nur erahnen, was in den folgenden Stunden im Gästeblock abgehen würde. Es war einfach unglaublich geil.

Dank der Kartenvergabepolitik von Arsenal London war das Stadion nicht ganz ausverkauft. Etwas mehr als 1.000 Plätze blieben im Emirates Stadion unbesetzt. Der FC begann mit Mere und Rausch für Sörensen und Osako. Angetrieben von einer lautstarken Gästekurve stand der FC defensiv gut. Nach neun Minuten gab es dann den ultimativen Ausraster. Jhon Cordoba erzielte aus 40 Metern das 1:0 für den FC und brachte den Gästesektor zum Explodieren. Keiner konnte es so recht glauben, dass wir gegen den Topfavoriten der Europa League dieses Ergebnis in die Pause brachten. Alleine die Sturmreihe der Gunners mit Theo Walcott, Alexis Sanchez und Olivier Giroud ist wohl mit das Beste, was es in Europa zu sehen gibt. Das zeigte sich dann in Halbzeit zwei. Arsenal machte ernst und gewann schließlich durch Tore von Kolasinac (49.), Sanchez (67.) und Bellerin (82.) mit 3:1. Dennoch kann das Team stolz auf diese Leistung sein, auch wenn wieder keine Punkte dabei herausgesprungen sind.

Aus Fansicht war dieser Abend der Tag X. Alle Emotionen, das ganze Glück über das Erreichen der Europa League, fand endlich ein Ventil. All das musste an diesem Abend heraus. Es war unbeschreiblich geil. Daher herrschte nach dem Spiel im Bus auch erstmal Ruhe. Alles musste erst einmal verarbeitet werden, was an diesem Tag gesehen war.

Auch die Fährüberfahrt zwischen vier und sechs Uhr erinnerte eher an eine neue Staffel von „The walking dead“. Es wimmelte von Toten und Untoten. Erst mit dem erwachen des Tages irgendwo nahe Brüssel kam die zweite Luft. Bei lautstarker Musik und kühlem Bier wurde Oberkörperfrei das Wochenende eingeläutet. Von 11-18Uhr ging es in Köln dann zum Abschluss noch in eine Kaschemme, ehe am Sonntag der Ligaalltag in Dortmund wartete.

Danke an alle Beteiligten für diesen wunderbaren Tag.

Come on FC

pannemann