10.Spieltag: Kiel – Köln 1:1

Besonders die jüngere Fraktion der Truppe fieberte dem Spiel bei den Störchen in Kiel entgegen. Dies hatte natürlich auch etwas damit zu tun, dass die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein bisher fussballtechnisch nicht auf unserer Landkarte verzeichnet war. Aber der eigentliche Grund für die wochenlange Vorfreude, samt dazugehörigen Vorbereitungen, war das gruppeninterne Ausrufen einer Mottotour unter dem schlichten Motto: „Gabber und Schnörres“. Diese Ausrichtung war längst überfällig und es wird sogar gemunkelt, dass es ernsthafte Bestrebungen gab, die RE1-Crew auszurufen, falls diese Mentalitäts-Mottotour nicht endlich gestartet worden wäre. Nach dem internen Ausrufen des Mottos ging es natürlich zunächst darum, sich bei gabberwear.com und Konsorten mit entsprechendem Material zu bestücken und den guten alten Schnörres wachsen zu lassen.

Früh morgens bzw. nachts startete die Tour dann und die zwei 9er-Bullis füllten sich nach und nach. Leider konnten nicht alle Mitfahrer überzeugt werden, das Motto auch umzusetzen. Aber so ist es nun mal: wer es nicht fühlt, kann es nicht verstehen: 100 % Hardcore! Besonders hervorzuheben sei an dieser Stelle das Ganzkörper-Camouflage-Outfit eines glatzköpfigen Kollegen, der so gut getarnt war, dass verdutzte Autofahrer zweimal hinschauen mussten, ob unser Gabberbulli fahrerlos unterwegs ist. Dank der edlen Spende eines Brauerei-Mitarbeiters und den dazugehörigen Drinks, der Gabber-Playlist sowie den mitgebrachten Pillen und Substanzen, begann der Tag dem Motto entsprechend mit drückenden Bässen und vibrierenden Scheiben.

Spätestens mit Sonnenaufgang und dem Mischkonsum an Bord des Gabberbullis stieg die Stimmung und es folgten kurze Gabbersessions mit einer Ü-60-Kaffefahrt, Lüftungsversuchen durch mehrmaligem Öffnen der Tür auf der Autobahn und das Ausfechten der inoffiziellen Dartmeisterschaft in einer Kneipe in Kiel vor Spielbeginn. Die frische Luft, die der Gabber-Kollege mit dem Drang nach Luft durch das Öffnen der Bullitür zu Genüge einsog, stieg ihm wohl so sehr zu Kopf, dass er den ersten Teil des Spiels schlafend im Bulli verbrachte, um erst zu Halbzeit zwei im Block zu erscheinen. Dadurch verpasste er eine weitere (nach Bielefeld)  sehenswerte Auswärtsblock-Choreografie der Coloniacs.

Achja: Fussball wurde selbstverständlich auch noch gespielt. Leider gibt es keine großartigen Höhepunkte, über die es zu berichten lohnt. Unsere Mannschaft dominierte zwar das Geschehen auf dem Rasen, schaffte es aber nicht, die Kieler ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Ein Elfmeter kurz vor dem Pausenpfiff wird vom Torjäger vom Dienst, Terrode, eiskalt genutzt, sodass wir mit einer 0:1 Führung in die Pause gehen konnten. Nach der Pause plätscherte das Spiel weiterhin vor sich hin, ohne, dass eine der beiden Teams sich wirklich gefährlich dem gegnerischen Tor näherte. Dass man es als klarer Aufstiegsaspirant nicht schafft, eine Kieler Mannschaft mit druckvollem Offensivspiel an die Wand zu spielen, oder zumindest durch Körpersprache und Vorwärtsdrang zu zeigen, dass man unbedingt nachlegen will, zeigt, dass wir entweder einige Profis am Start haben, die denken, man würde auch mit 50%-Leistung in der zweiten Liga gewinnen. Oder aber, es fehlt einfach an der ein oder anderen Stelle die Qualität, nachzulegen. Wie dem auch sei. Es kam, wie es kommen musste: nach einem Abstimmungsfehler zwischen Horn und Meré landet der Ball in der 88.Minute zum hochumjubelten und meiner Meinung nach durch die gute kämpferische Leistung der Störche auch nicht komplett unverdienten Ausgleich im Netz. Alles in allem natürlich ein komplett unnötiges, selbstverschuldetes Unentschieden.

Die Rückfahrt begann zunächst mit einem Umweg über schleswig-holsteinische Dörfer, da ein Besatzungsmitglied, das zufällig der Fahrer eines der Bullis war, plante, eine Prä-Bullikauf-Session zu veranstalten. Der durch das Herumgegurke der Bullis entstehende Missmut der Besatzungen löste sich aber bei Ankunft im Dorf sehr schnell in Wohlwollen auf, als Sektion SV und der frisch gebackene Onkel einen Biertower und eine Schachtel Dirty Harry austaten. So verbrachte die Meute die Zeit des Wartens auf den Bulli-Shopper mit Essen, Bundesliga gucken, sein Glück am Spielomaten versuchen oder trank zwei, drei Kaltgetränke. Gut gestärkt konnte die Rückfahrt dann feuchtfröhlich fortgesetzt werden, sodass wir irgendwann mit einem Wummen im Ohr und Dröhnen im Kopf zu Hause, bzw. ein Teil der Truppe noch in Kneipen des Ruhrpotts ankamen.

In diesem Sinne: Hardcore will never die!

Löwenzahn