30.Spieltag: Dresden – Köln 3:0

Der Mai steht vor der Tür und die Entscheidungen im deutschen Fußball kristallisieren sich mehr und mehr heraus. Fünf Spieltage vor dem Saisonende führte uns die Reise am Ostersonntag nach Dresden. Mit der Trainer-Verpflichtung des ehemaligen Dynamo-Kultspielers Christian Fiel geht es bei den Sachsen wieder etwas Bergauf. Vor dem Spiel trennten die SGD sechs Punkte zum Relegationsplatz. Im Gedächtnis geblieben ist allen Beteiligten wohl das Hinspiel, welches der FC mit 8:1 für sich entscheiden konnte. Zum heutigen Auswärtsspiel gab es mal wieder eine Besonderheit bezüglich der Anreise.

Denn nach vielen Jahren ohne Sonderzug, hatte das warten nun ein Ende. Der große Dank geht an dieser Stelle an die Wilde Horde, die für den Sonderzug  viel Zeit, Orga, Geld und Manpower investiert hat. Glücklicherweise war der Ostermontag ein Feiertag, sodass man die Fahrt absolut frei genießen konnte. Der Zug selbst, war innerhalb kürzester Zeit ausgebucht und so trafen wir uns am Sonntagmorgen um zwei Uhr mit über 900 weiteren Verrückten, um die Fahrt nach Dresden an zu treten.

Man kann der deutschen Bahn ja vorwerfen was man will, aber die Entwicklung der Wagons mit den eigenen 6er-Abteilen in den 80er oder 90er Jahren, ist wohl das geilste, was die Jungs jemals auf die Schienen gebracht haben. Neben der Party im Sambawagen hatte so ziemlich jedes 6er-Abteil seine eigene „Geschichte“. Egal ob aus den sechs Sitzen eine Liegewiese zum pennen gebaut wurde, ob die Abteile zum suffen, chillen, buffen oder feiern genutzt wurden. Je länger die Zeit voran Schritt, umso mehr fühlt man sich bei einem Spaziergang durch den Zug an einen Zoo erinnert – in jeder Kabine gab es etwas neues zu entdecken.

Während sich am Horizont langsam der Tag ankündigte, erwachte nahezu der komplette Zug zu neuem Leben. Im Sambaabteil wurde es zwischenzeitlich sehr eng und irgendwann kam über die Lautsprecher die Information, dass wir in Kürze Dresden erreichen werden.

Ohne große Probleme mit Polizei oder Sicherheitsdienst erreichten wir mit den Shuttlebussen den Gästeblock, wo die Kontrollen sehr entspannt und routiniert über die Bühne gingen. Da wir quasi zur Stadion-Tore-Öffnung, und somit zwei Stunden vor Spielbeginn hinter dem Gästeblock waren, nutzten die meisten FC-Fans die Zeit für ein Sonnenbad.

In den Fankurven gab es heute auf beiden Seiten eine Choreo zu sehen. Im Gästebereich kümmerten sich die Coloniacs um eine einfache, aber sehr gut durchgeführte Schal- und Fähnchen-Choreo in unseren Vereinsfarben. Der Heimbereich widmete sich in der Choreo dem Thema Mitbestimmung im Verein. Hier fiel vor allen Dingen die Disziplin der Fans im K-Block, bei der Durchführung der Choreo auf. Nach einer Schweigeminute für den verstorbenen Siegmar Wätzlich rollte dann auch der Ball.

Mit 30.753 Zuschauern war das Rudolf-Harbig-Stadion ausverkauft. In der FC-Startelf gab es zwei Änderungen. Schaub und Modeste starteten für Clemens und Cordoba. Die Partie begann jedoch denkbar ungünstig. Denn mit der ersten Chance gingen die Sachsen in Führung (12.). Zwar hatte der FC im Anschluss mehr Ballbesitz, wusste damit jedoch wenig an zu fangen. Zehn Minuten vor der Pause stellte Dynamo nach einem erneuten Konter auf 2:0 (35.). Auch nach der Halbzeit dasselbe Bild. Der FC hatte zumeist den Ball und Dresden machte die Tore. In diesem Fall der starke Erich Berko per Kopfball, nach einem Kreuzer-Freistoß (66.). Anschließend war das Spiel entschieden und man begab sich im FC-Block auf die Suche nach einer gelben Frucht aus Mittel- und Südamerika, welche im Osten unserer Republik eher schwierig zu bekommen ist. Im Endeffekt war die Suche nicht von Erfolg gekrönt, weshalb wohl alle Beteiligten froh waren, als unser Sonderzug für die Rückfahrt bereit stand.

Auch die Gruppe der Stadionverbotler schien einen guten Tag verbracht zu haben, wenn man sowas denn überhaupt so sagen kann. Überpünktlich startete unser Zug. Mit der untergehenden Sonne chillten auf den ersten Kilometern der Rückfahrt die meisten Leute erstmal in ihren Abteilen. Im sogenannten „Schmuddelabteil“ entwickelte sich ein Gesprächskreis zwischen mehreren „tollen Männern“ und „einer tollen Frau“. Stundenlang wurde hier in Dr. Sommer Manier über die wirklich wichtigen Themen des Lebens diskutiert. Das blieb auch vielen anderen Zaungästen nicht verborgen, sodass das Studio zwischenzeitlich wegen Überfüllung geschlossen werden musste. Man glaubt es kaum – aber bis zu 20 Personen finden in diesen 6er-Abteilen Platz! Da sich die enge auf Dauer doch recht schwierig gestaltete, suchten vielen den Weg in den Samba-Wagen, wo man absolut angemessen und teilweise Oberkörperfrei einfach mal Mensch sein konnte. So erreichten wir leicht versifft und müde, aber extrem glücklich nach 24 Stunden wieder unsere geliebte Domstadt. So kann und muss es weitergehen!

Come on FC

pannemann