3.Spieltag: Freiburg – Köln 1:2

Wohl keine Auswärtsfahrt in diesem Jahrtausend hasste man als FC-Fan mehr, als die Tour nach Freiburg. Am 24.08.1996 sorgten Holger Gaißmayer und Toni Polster letztmals für drei Punkte im Breisgau. Seit dem trat der FC dreizehn Mal im Schwarzwaldstadion  an. Es setzte dabei neun Pleiten und vier Mal ein 0:0-Unentschieden. Wem das alles noch nicht ausgereicht hat, der konnte sich noch am Gäste-Stehplatzbereich erfreuen, der mehr einem Affenkäfig gleicht. Da fragt man sich tatsächlich, wofür man 15Euro entrichtet. Dank dem engmaschigen Gitterzaun kann man hier teilweise nur über die Geräuschkulisse im Stadion am Spielgeschehen teilnehmen.

Kurioser Weise fanden sich an diesem Samstagmorgen mehrere Hundert Masochisten, die weiterhin konsequent ihrer Passion nachgingen. Die aktive Fanszene bot hierzu einige geräumige, fahrbare Untersätze an, die im Volksmund auch Omnibusse genannte werden. Bei herrlichem Wetter war die Stimmung hervorragend. Da man über die letzten Jahre bereits wusste, wie der ganze Hafer in Freiburg abläuft, dachte ich mir, besser Spaß am Glas, als sich grundlos ärgern. So schafften es einige Humpen Vino-Regresso in die durstige Hirse (um eine bekannte Szenegröße zu zitieren) und Schwupps, spuckte uns der Bus am Gästesektor raus.

Nachdem man dem Fanprojekt, zwecks Auswärtsdauerkartenüberprüfung, einen kleinen Besuch abgestattet hatte, enterten wir den Block. Es ist eigentlich jedes Mal dasselbe. Man kommt oben in den Block rein, freut sich über Sonne, Berge und den schönen Blick ins Stadioninnere. Doch sobald man ein paar Stufen runter geht, ist es mit der Freude vorbei. Da es nicht mal alkoholhaltige Getränke in diesem Gästeblock gibt, bleibt einem einzig die Möglichkeit, seine eigene Party zu feiern. Und das funktionierte an diesem Tage so gut, wie wohl noch nie zuvor in Freiburg.

Mit 24.000 Zuschauern war das Stadion heute ausverkauft. Beim FC gab es eine Veränderung in der Startelf. An Stelle von Cordoba durfte Schaub beginnen. Im ersten Durchgang allerdings das gewohnte Bild. Eine ausgeglichene Partie, zwei Tore durch FC-Spieler, aber die Gastgeber gehen mit 1:0 in die Pause. Der ganz normale abfuck in Freiburg halt. Zunächst wurde Kingsley Schindler sein erster FC-Treffer wegen einem vorangegangenen Drexler-Foulspiel via Videobeweis aberkannt (39.). Den Freiburger Gegenzug brachte Rafael Czichos formvollendet und sehenswert im eigenen Kasten unter (40.). So ging es mit 0:1 in die Pause.

Dank eines neuen Liedes, der sommerlichen Temperaturen und der vorhandenen Gitterwand entwickelte sich im Gästesektor allerdings eine Wahnsinns Party, welche sich von Minute zu Minute steigerte. Es ist schon absolut erstaunlich, was alles möglich ist, wenn mal alle mitziehen.

Diese „jetzt erst recht Mentalität“ übertrug sich im zweiten Durchgang scheinbar auch auf das Team. Nachdem Schaub den Ausgleich vergeben hatte (48.), wuchtete Anthony Modeste eine Skhiri-Flanke nur vier Minuten später unter die Latte (52.). Bis in die Schlussphase hinein passierte nicht mehr viel. Dann hatte Freiburg zwei dicke Dinger, von denen Timo Horn einen Ball prächtig entschärfte (81.). Als es schließlich Simon Terodde fertig brachte, in der 90.Minute, den Ball aus zwei Metern am Tor vorbei zu schieben, hatten sich wohl alle mit einem Unentschieden abgefunden. Nicht aber unsere neue tunesische Wunderwaffe, Ellyes Skhiri. „Der dünne“ eroberte in der Nachspielzeit im Mittelfeld den Ball, legte ein Solo bis in den Freiburger Strafraum hin, und knallte den Ball trocken ins kurze Eck (92.). Was folgte, war eine komplette Eskalation, im ohnehin schon sehr gut aufgelegten Gästeblock.

Im Hinblick auf die nächsten beiden schweren Spiele gegen Mönchengladbach und den FC Bayern München ein wahnsinnig wichtiger „Dreier“, der Selbstvertrauen geben sollte. Zudem ist man mit den drei Punkten auch erst einmal tabellarisch in der Saison angekommen, was in der nun anstehenden, zwei wöchigen Länderspielpause sicherlich auch nicht ganz unwichtig erscheint.

Jetzt, wo man nach über 20 Jahren mal wieder hier gewinnen konnte, kommt nun doch etwas Wehmut auf. Denn in der kommenden Saison soll an einem anderen Ort in Freiburg eine neue Arena fertiggestellt sein. Alles, wogegen man über die Jahre eine echte Hassliebe entwickelt hat, wird in Zukunft austauschbar sein, wie vermutlich jede andere Bundesligaspielstätte. Daher habe ich mir mal die Mühe gemacht und ein paar Erinnerungsbilder geschossen. Alleine die vielen „Sticker-Kriege“ auf den Kacheln der Männer-Toilette wird ein jeder Fußballfan wohl auf ewig in seinem Herzen bewahren.

Come on FC

pannemann