5.Spieltag: München – Köln 4:0

„Nur für die Farben in Rot und in Weiss – nur für dich geh‘ ich bis in den Tod. Nimm mich mit auf die Reise mein 1.FC Köln – noch einmal durch Europa und einmal um die Welt.“ So wird es im diesjährigen Kurvenklassiker besungen. Zumindest für unsere Reisegruppe traf der Text an diesem Wochenende vollkommen zu. Denn wie es der Zufall so wollte, spielte der FC am Samstag um 15:30Uhr und zur Eröffnung des Oktoberfestes in München. Somit war schnell klar, dass ein Besuch „der Wiesn“ und des Augustiners nicht fehlen durfte. Schlussendlich begeisterten sich über 30 Mann für eine 40 Stunden-Auswärtstour mit dem DB-Fernverkehr.

Der ganze Wahnsinn startete für den ersten Mitfahrer bereits am Freitagabend um halb zehn in Osnabrück. Der IC209 sollte uns über die „Ruhrpottrute“ nach Mannheim befördern. Im südlichen Rheinland komplettierte sich unsere Reisegruppe am Samstagmorgen gegen halb eins. Glücklicherweise hatte das Bordbistro seit Mitternacht geschlossen, sodass wir hier mit Musik und kalten Getränken unser Lager aufschlagen konnten. Von der „Fridays for Future“-Demo am Nachmittag, fand sich noch eine recht passende Botschaft für unsere Tour, die es schließlich bis in ein Münchener Brauhaus schaffte. Mal abgesehen von einem tanzenden Afrikaner gestaltete sich die Fahrt bis Mannheim recht entspannt. Die meisten Leute schienen verstanden zu haben, dass Knallgas in der heutigen Nacht unvorteilhaft für den Samstag werden würde. Um 3:30Uhr erreichten wir den Hbf in Mannheim und 15Minuten später saßen wir bereits im ICE nach München. In den folgenden vier Stunden versuchte jeder auf seine Weise etwas Augenkosmetik zu betreiben. Dem einen gelang dies besser, dem anderen schlechter. Welcher Kobold allerdings in dem Körper von Herrn A. aus O. sein Unwesen trieb, möchte wohl kein Mitreisender in Wagen Nummer 6 jemals erfahren.

Der gut gelaunte und ziemlich mitteilungsbedürftige Schaffner riss die Passagiere im picke-packe vollen „Schlafzug“ kurz vor München nicht nur mit dem „Sperrbezirk-Song“ der Spider Murphy Gang aus dem Schlaf. Er feierte die Deutsche Bahn und sich selbst wohl am meisten dafür ab, dass der Zug den Münchener Hbf fünf Minuten zu früh erreichte – Herzlichen Glückwunsch, du Hampelmann! Nun wollten wir eigentlich den Zug verlassen. Doch zuvor mussten wir versuchen, die bösen Geister aus dem Körper des Herrn A. aus O. zu vertreiben. Nach etwas körperlicher Gewalt und ein paar Ladungen Frischwasser, ließen die Dämonen langsam von ihm ab und so konnte sich die Karawane in Richtung der Schließfächer in Bewegung setzen.

Wir hatten nun noch 90 Minuten Zeit, ehe das Augustiner am Stachus seine Pforten für uns öffnen sollte. Die sanitären Anlagen im Mc’es boten zuvor die Gelegenheit, um etwas Morgenhygiene zu betreiben. Der ein- oder andere soll auch ein kleines Frühstück genossen haben. Ansonsten begrüßte uns die aufgehende Sonne in der Münchener Einkaufszone und man enterte pünktlich um 9Uhr das Augustiner. Was in den folgenden Stunden bis zum Spiel in dem Laden abging, kann sich wohl jeder Vorstellen, der hier schon mal mit einem Auswärtsmob die Maßkrüge erhoben hatte. Mit jeder Maß wurden die Gesprächsrunden und Gesänge lauter und mündeten schließlich in einer 1A Party. Wobei hier alles im Rahmen geblieben ist. Die Zeche wurde gezahlt und der Schuppen ohne Scherben verlassen.

Zum Stadion fuhren wir mit dem Nahverkehr. An der Stadionstation angekommen, probierten wir uns mal an der neuen Beschilderung zum Gästesektor, was sich jedoch als absoluter Reinfall entpuppte. Erstens ist man eine gefühlte Woche lang unterwegs, zweitens wird einem der Weg zum Gästebusparkplatz verwehrt und drittens muss man sein kleines Gepäck für 2EUR an einer Abgabestelle aufgeben (welches man sonst in den Gästebus gepackt hätte).

Bei Kaiserwetter enterten wir die Arena und man probierte sich erneut an alternativen Mitteln und Wegen zu den Logenplätzen. In wohl keinem anderen deutschen Stadion ist es derart einfach in den VIP-Bereich zu gelangen. Zum Ende der ersten Halbzeit war es schließlich einem Crewler vorenthalten, den Arena-VIP-Logen-Titel-Hattrick ein zu Tüten. Herzlichen Glückwunsch dazu. Wie sich allerdings später heraus stellte, wurde dort an diesem Nachmittag/Abend vermutlich Krawallwasser ausgeschenkt.

Die Münchener Südkurve begrüßte die Mannschaften mit einer kleinen und recht gelungenen Choreographie, während sich im Gästeblock einmalmehr über den unnötigen „Spuckschutz“ und die miesen Fahnenplätze abgefuckt wurde. Beim FC starteten Höger, Kainz und Schindler für Vertraaete, Schaub und Modeste. Es dauerte jedoch nur drei Minuten, ehe die markante „Cancan“-Torhymne (wie damals im Olympiastadion) ertönte. Robert Lewandowski hatte soeben zum 1:0 eingeschoben. Anschließend schalteten die Bayern einen Gang zurück. Bis zur Pause ergaben sich gute Chancen auf beiden Seiten (14./34./37./44./45.), ohne dass ein weiterer Treffer fiel. Im zweiten Durchgang dauerte es erneut nur drei Minuten, bis Lewandowski nach einer Ecke per Kopfball zum 2:0 einnickte. Damit war das Dingen quasi durch. Zum allem Überfluss schickte der schlechte Schiedsrichter Patrick Ittrich unseren Rechtsverteidiger Kingsley Ehizibue mit einer aberwitzigen roten Karte vom Platz, sodass das Ding am Ende mit 4:0 an die Bayern ging (Coutinho 62. / Perisic 73.).

Wir hatten nun noch bis Mitternacht Zeit, ehe uns der ICE-Direktzug zurück nach NRW befördern sollte. Natürlich war die Luft erst einmal raus und alle wollten was ordentliches futtern. Das Brauhaus am Augustiner-Biergarten (nähe Hbf) war der „place to be“, denn dort hatten wir ab 19Uhr eine große Tafel reserviert. Hier hellte sich die Stimmung mit deftiger Brauhausküche und reichlich Kaltgetränken schnell wieder auf. Nur unser Mitreisende aus dem VIP-Bereich blieb mit leichten Orientierungsproblemen zunächst verschollen. Gegen 21Uhr mussten die ersten draußen frische Luft schnappen, und so ging es nach und nach „in kleinen Gruppen, ohne Gesängen“ in Richtung Theresienwiese. Um diese Uhrzeit war es natürlich kein Problem mehr, in die Festzelte auf dem Oktoberfest zu gelangen. So wurde bis Mitternacht nochmal alles raus gehauen, was Körper, Leber und Stimmbänder zu bieten hatten.

Als der ICE sich auf der Rückfahrt in Bewegung setzte, stellten wir irgendwann fest, dass eine Person fehlte. Der Kollege aus dem Sauerland war wohl in der Kneipe eingeschlafen. Immerhin funktionierte das Handy noch. Kostenneutral erreicht auch er schließlich um halb 10 seinen Heimatbahnhof im Ruhrpott. Nach teilweise bis zu 40 Stunden „op Jöck“, war wohl jeder heilfroh, am Sonntagvormittag in sein Bett zu fallen. 1000 Dank an alle Beteiligten für dieses wahnsinns Wochenende, das wohl keiner so schnell wieder vergessen wird. – So kann und muss es weitergehen!

Come on FC

pannemann