7.Spieltag: Schalke – Köln 1:1

Am Samstagabend um 18:30Uhr stand der ewige Westschlager zwischen dem FC Schalke 04 und unserem FC auf dem Programm. Unterschiedlicher konnten die Voraussetzungen vor dem Spiel allerdings kaum sein. Während der FC aus dem Tabellenkeller, mit zuletzt drei Niederlagen und 0:9 Toren grüßte, konnten die Gastgeber mit einem Heimsieg die Tabellenführung übernehmen. Hoffnung machte allerdings die Arena auf Schalke. Denn von den letzten vier Auswärtsspielen in GE, verbuchte der FC drei Siege und ein Unentschieden.

Im Kreise der aktiven Fanszene machten wir uns am Samstagmittag also via Nahverkehr auf den Weg nach Gelsenkirchen. Man hatte sich extra für eine geräumige Anreise im Regionalexpress-Doppeldecker entschieden, dennoch wurde es einmal mehr recht kuschelig auf dem Weg in den Ruhrpott. Die planmäßige Anreise erhielt in Leverkusen Mitte einen jähen Dämpfer. Denn die Rauchmelder des National Express‘ hatten dem Zugfahrer wohl einen qualmenden Fahrgast signalisiert. „Wer raucht hier?“, schallte es schließlich über die Lautsprecher im Zug. Da sich die Gegensprechanlage der Lautsprecher im National Express scheinbar noch im Entwicklungsmodus befindet, gestaltete sich die Rückmeldung doch recht langwierig. So hielt man 40 Minuten vor Spielbeginn des Spiels Leverkusen gegen Leipzig im Bahnhof Leverkusen Mitte, mit einem doch recht ordentlichen Haufen. Runde 30 Minuten später hatte unser Freund und Helfer den fiesen Rauchmelder  repariert und die Reise konnte fortgesetzt werden. Den anvisierten Anschlusszug verpassten wir somit um schätzungsweise 45 Minuten. Also musste mal wieder ein anderer Regionalexpress geentert werden, der vom Platzangebot her allerdings an eine S-Bahn erinnerte.

Was mich und meine Mitreisenden auf der Hinfahrt doch ziemlich erstaunt und traurig gestimmt hat, war eine zierliche ältere Dame mit einem „Rentner-Roller“ in unserem Zugabteil. Sie war schick angezogen wie Karl Lagerfeld und alle waren überrascht, als Sie eine (Glas-!)Pfandflasche nach der anderen in Ihrer Tasche verschwinden ließ. Über jede einzelne Flasche war sie sehr Dankbar.

Aufgrund unserer Verspätung erreichten wir den Gelsenkirchener Hbf nach dem Entlastungszug aus Köln, weshalb die dort wartenden Shuttlebusse zum Stadion schon gut gefüllt waren. Team Green konnte immerhin noch einen leeren Bus klar machen, sodass sich der Konvoi kurze Zeit später in Bewegung setzte.

Da die abfahrenden Busse alle voll waren, mussten circa 100 Mann am Hbf auf weitere Busse warten. Die anliegenden Dönerläden hatten ihren Geschäftsbetrieb kurzzeitig auf Hopfenerzeugnisse umgestellt, wodurch das Warten nicht wirklich schwer fiel. Eine Kölsche Szene Legende hatte die Gunst der Stunde ebenfalls genutzt, und sich auf seine ganz spezielle Art auf das Spiel eingestimmt. Er machte die Busfahrt vom „dreckigen Dutzend“ zur Arena zu einem echten Erlebnis. Wie der gute „Water-Head“ allerdings ohne Karte und mit dem Pegel in den Gästeblock gekommen ist, wird wohl auf Ewig sein Geheimnis bleiben.

Vor ausverkaufter Hütte gab es beim FC gleich sechs Änderungen in der Startelf. Ehizibue, Czichos, Katterbach, Schindler, Schaub und Terodde ersetzten Schmitz, Mere, Höger, Drexler, Cordoba und Modeste. Im ersten Durchgang passierte nicht viel. Der FC hatte durch einen Flugkopfball von Ehizibue allerdings die riesengroße Chance zur Führung. Aus kurzer Distanz köpfte er Keeper Nübel jedoch auf den Oberkörper (21.). Zehn Minuten später hatte der FC Glück, als Jonas Hector einen Caligiuri-Freistoß an den eigenen Torpfosten verlängerte (31.). So ging es mit dem 0:0 in die Pause.

Das Heimteam kam in Halbzeit zwei besser ins Spiel, der FC hatte jedoch erneut die große Chance zur Führung durch Simon Terodde (58./67.). Die erste Möglichkeit rettete Keeper Nübel mit einem Reflex. Über die Arme von Daniel Caliguiri, der auf der eigenen Torlinie stand, konnte der Ball schließlich geklärt werden. Videoassistent, bzw. Elfmeter, – Fehlanzeige. Ähnliche Situation ein paar Minuten später, als der Schalke Salif Sane zwingend mit gelb-rot hätte vom Platz geschickt werden müssen. Wie so ein Spiel dann weiter verläuft, wenn man im Tabellenkeller steht, zeigte sich kurze Zeit später. Nach einer Kopfballablage von Salif Sane vollstreckt Suat Serdar zum 1:0 für die Gastgeber (71.).

Kurioser Weise erwachte nun auch das Stadion, bzw. die Nordkurve, von denen man vorher erschreckend wenig vernommen hatte. Es beruhigt mich immerhin, dass auch andere große deutsche Clubs scheinbar so ihre Probleme mit dem Support des Heimpublikums, bzw. mit den Stadionbesuchern haben. Immerhin versäumten es „die Blinden“, den Sack mit dem 2:0 zu zumachen (88./89.). Aber auch der eingewechselte Anthony Modeste brachte es heute nicht fertig, Alexander Nübel zu überwinden (91.). So gab es noch eine letzte Ecke in der Nachspielzeit, die Jonas Hector per Kopf, zum nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleichstreffer einnetzte (92.). Komplette Ekstase im Gästesektor und ziemlicher Frust im Heimbereich waren die Folge. Entscheidende Treffer für dein Team in der Schlussphase eines Spiels, sind einfach das aller geilste was gibt auf dieser Welt.

Eine Abordnung abgefuckter Schalker bat zum Abschluss des Abends unsere Stadt- und Stadionverbotler noch zum Tanz, was die Heimreise ein wenig verzögerte. Immerhin kann ich nun behaupten, dass in und um den Duisburger Hbf am Samstagabend noch weniger Los ist, als auf der Pläte von Stale Solebakken. Ähnlich mau ist im Übrigen das Geschmackserlebnis der hier ansässigen Dönerläden.

Leider gammelt unser Club über die Länderspielpause hinweg auf einem Abstiegsplatz herum. Aber der Einsatz, die Defensivleistung und die mannschaftliche Geschlossenheit haben heute gezeigt, wie es gehen kann. Daran wird man in den kommenden Spielen gegen Paderborn, Mainz, Saarbrücken (Pokal), Düsseldorf und Hoffenheim anknüpfen müssen, um den Tabellenkeller verlassen zu können. So kann und muss es weitergehen.

Come on FC

pannemann