12.Spieltag: Leipzig – Köln 4:1

Als Topspiel des 12. Spieltags der Fußball Bundesliga wurde die Begegnung unseres 1.FC Köln beim RB Leipzig auserwählt. Durch die prekäre sportliche Lage des FCs entschloss sich das Präsidium des FC‘s, die sportliche Führung in der Vorwoche komplett auszutauschen, so dass sich die Vorzeichen für dieses Spiel etwas verändert darstellten. Trotzdem bleibt so eine Begegnung sportlich natürlich „David gegen Goliath“.

Wie in den Jahren zuvor, entschloss sich die aktive Fanszene dem Spiel nicht beizuwohnen und so Ihren Protest gegen diese Art von Fußball(vereinen) zum Ausdruck zu bringen.

Persönlich bin ich der Meinung, dass ein Protest im oder am Stadion letztendlich mehr Effekt haben würde. Ein stiller Protest im Stadion würde vielleicht dieser Unterhaltungsshow entgegenstehen und vielleicht nochmal etwas mediale Aufmerksamkeit auf unsere Anliegen und Forderungen in Bezug auf den „wahren“ Fußball lenken. Der monetäre Gewinn für RB durch den geringfügig erhöhten Verkauf von Auswärtskarten wäre nicht meiner Meinung nach verschwindend gering. Eine zu 100% übereinstimmende Meinung wird man aber auch hier niemals erzielen können. Den einen richtigen Weg scheint es hier wohl nicht zu geben.

Ich entschied mich jedenfalls, zusammen mit einem weiteren Mitglied unserer Gruppe, trotzdem zu diesem Spiel zu fahren und dies mit einem Fußballwochenendausflug nach Leipzig zu verbinden.

Da ich zurzeit beruflich in der Nähe von Hannover verweile und sich kurzfristig eine Mitfahrgelegenheit nach Sachsen-Anhalt auftat, beschloss ich diese wahrzunehmen und noch am Freitag weiter nach Sachsen zu reisen. Dort wurde sich in Auerbach, beim Regionalligaspiel des örtlichen VfB gegen Union Fürstenwalde getroffen und man konnte bei einem spannenden Fußballspiel mit mäßigem Niveau (was erwartet man auch) einen Heimsieg notieren. Nach Spielende wurde sich auf den Weg nach Leipzig gemacht, wo eine Unterkunft reserviert war. Zur späteren Stunde wurde noch ein kleiner Ausflug ins Leipziger Nachtleben unternommen, der zu durchaus interessanten Gesprächen führte. Irgendwann in den frühen Morgenstunden lagen wir schlussendlich in unseren Betten, da am nächsten Mittag auch schon das nächste Fußballspiel der Regionalliga Nordost zwischen Lok Leipzig und Lichtenberger SV angeschaut werden sollte. Nachdem man verschiedenste Geschichten aus den letzten Jahrzehnten über den gastgebenden Verein gehört hatte, waren wir durchaus gespannt was uns in Leipzig-Probstheida erwarten würde. Abschließend kann ich diesen nachmittäglichen Ausflug nur positiv bewerten. Ein liebevoll gepflegtes Stadion (soweit es wohl die Möglichkeiten zulassen), wo die Zuschauer mit ihrem Verein mitfiebern und oftmals an diesem auch verzweifeln. Ein schönes Fußballerlebnis!

Im Anschluss musste die Zeit bis zum Anstoß im neuen Zentralstadion noch überbrückt werden, ehe man sich dem Kontrastprogramm zum Nachmittag hingeben konnte. Wie schon vor einem Jahr erwähnt, ist das Zentralstadion meiner Meinung nach ein gelungenes Beispiel für ein modernes Fußballstadion in einem historischen Kontext. Dieser Umstand macht allerding dem gastgebenden Verein mit seinen Intentionen keinen Deut besser. Die groß aufgezogene Lichtshow, zusammen mit den entsprechenden Musikeinlagen, ließen mich gefühlsmäßig in die Vereinigten Staaten nach Amerika auswandern. Meiner Meinung nach, dient das alles einzig und allein der Vermarktung des Vereins und damit einhergehend, die Erreichung der Geschäftsziele des österreichische Getränkeherstellers.

Ich gehe zu „meinem“ 1.FC Köln, weil ich Fan dieses Vereins bin und freue mich selbstverständlich über sportlichen Erfolg, er ist allerdings nicht Bedingung für meine Unterstützung. Ob dies genauso auch auf die Zuschauer im Heimbereich zutraf, wage ich stark zu bezweifeln. Die Unterhaltungsshow endete sportlich verdient mit 4:1 für den Gastgeber. Es bleibt also eine Menge Arbeit für die Mannschaft und die neue sportliche Führung.

Im Anschluss an das Spiel machten wir uns, streng getrennt von den Leipziger Zuschauern, zurück auf den Weg in die Innenstadt. Nach einer kleinen Ruhephase in unserer Unterkunft beschlossen wir unseren gelungenen vorabendlichen Ausflug ins Leipziger Nachtleben exakt zu wiederholen (never change a running system), was erneut zu einer kurzen Nacht führte. Am Sonntagmorgen trennten sich nach und nach unsere Wege.

Es war ein teilweise sehr und teilweise weniger gelungenes Fußballwochenende. Der Kontrast zwischen den Spielen der Amateurvereine, wo man oftmals das Herzblut der Fans und der Offiziellen erkennen konnte und dem Profigeschäft a la RB wird mir von diesem Wochenende nachdrücklich in Erinnerung bleiben. Bleibt zu hoffen, dass der FC die nächsten Wochen ordentlich nutzt und sportlich die Kurve kriegt. Bis zur Winterpause darf der Anschluss an die Nichtabstiegsplätze nicht abreißen!

Come on FC!

Coersie