28.Spieltag: Union Berlin – Köln 1:0

Aufgrund der politischen Entwicklungen ließ sich erahnen, dass der 28. Spieltag für viele Fußballfans in Deutschland (vorerst) die Rückkehr zu einer gewohnten Normalität darstellen sollte. Da sich die Fanszene in Köln, bezüglich der Corona-Beschränkungen, für einen sehr konsequenten Weg entschieden hatte, gab es seit dem 06.03.2020 kein organisiertes Auftreten innerhalb der Kurve. Entsprechend groß war die Vorfreude und ein Flutlichtspiel im Berliner Osten hat auch seinen Reiz. 

Schnell entschieden wir uns für eine Anreise per ICE. Im Zug merkten wir nach 2-3 Getränken, dass sich in den letzten zwei Jahren der normale Zugfahrer und der Fußballfan etwas auseinandergelebt haben. Ein paar etwas angeregte Gespräche über die wichtigen Dinge im Leben führen aktuell schon zu Beschwerden über die Geräuschkulisse.  Mit dem Schaffner, der mit der Maske seiner Wahl eher an Michael Bründel alias „Captain Future“ erinnerte, konnte man sich glücklicherweise darauf einigen, die verbleibende Fahrzeit ohne Komplikationen im Speisewagen zu verbringen. Da wir uns bewusst für eine etwas frühere Anreise entschieden, hatten wir noch genug Zeit, um am Berliner Ostkreuz in einer Kneipe einzukehren. Von dort aus ging es ohne nennenswerte Vorkommnisse in Richtung Stadion, wo man zeitgleich mit den Bussen aus Köln eintraf und den Gästeblock betrat. Zum Intro gab es im Gästeblock ein kleines Meer aus Rot-Weißen Fahnen, welches mit etwas Beleuchtung garniert wurde.  Das Spiel war eigentlich so wie immer in den letzten Jahren bei Union: Viel Kampf, wenig Durchschlagskraft. Durch einen, in der Form mehr als seltenen, Fehler von Hector ermöglichte der FC den Hausherren das Tor des Tages. Viel mehr passierte auf dem Rasen nicht mehr. Die zu Beginn euphorische Stimmung im Gästeblock flachte in der zweiten Halbzeit ab und der „Eiserne Vorhang“ zwischen Gästeblock und Heimbereich sorgte mal wieder für die üblichen Scharmützel. 

Nach dem Spiel ging es zügig in Richtung Hauptbahnhof. Dort angekommen stellen wir fest, dass die Versorgungsmöglichkeiten um kurz vor Mitternacht für eine Hauptstadt mehr als dürftig waren. Aufgrund einiger logistischer Herausforderungen für die DB machten wir uns erlaubterweise erneut im Speisewagen und der 1. Klasse breit. Da am Folgetag ein Mitglied unserer Gruppe den Bund der Ehe eingehen wollte, waren dies beste Voraussetzungen, um noch gemütlich etwas zu trinken oder direkt zu schlafen. Mit dem Zwischenhalt in Magdeburg kam allerdings etwas Hektik in die ruhige Atmosphäre. Um das Kuddelmuddel aufklären zu können, entschied sich das Zugpersonal dafür, einen ungeplanten Stopp im Magdeburger Umland einzulegen und die Polizei hinzuziehen. Die Prozedur dauerte knapp 120 Minuten, was aber eher daran lag, dass ein Fahrgast die Gunst der Stunde für seine eigene Show nutzte und sich aus unerklärlichen Gründen in der Kabine des Zugfahrers eingesperrt hatte. Nachdem das Cockpit zurückerobert wurde konnten wir unsere Fahrt fortsetzten und erreichten um kurz vor 8 Köln.

Zwei Jahre lang haben wir auf solch eine strapaziöse Tour warten müssen, jedoch können wir feststellen, dass die Motivation in unseren Reihen ungebrochen ist. In der Hoffnung, dass sich die pandemische Lage dauerhaft entspannt und solche Spieltage wieder zur Normalität werden, blicken wir gespannt auf den Saisonendspurt.

Johannes