2.Spieltag: Bremen – Köln 4:2

Knapp eine Woche vor dem Auswärtsspiel bei Werder Bremen erhielt ich ein Schreiben, wohl mit den schönsten Worten, die je auf einem Stück Papier festgehalten wurden :“Mit sofortiger Wirkung ist ihr bundesweites Stadionverbot aufgehoben“. Kaum jemand, der nicht in dieser Situation war, kann sich vorstellen, wie groß die Freude meinerseits war, endlich wieder ins Stadion zu dürfen. Inzwischen sind die meisten Stadionverbote, die aufgrund des Spiels in Leverkusen verhängt wurden, aufgehoben. So bitter die knapp sieben Monate waren, die man draußen verbrachte, umso mehr lernt man zu schätzen, sich innerhalb eines Stadions bewegen zu können.
Jetzt ging es daran, die Tour nach Bremen zu planen. Eine Karte für den neuen Gästeblock war schnell organisiert. Auch das Transportmittel stand schon lange vorher fest. Wie der gesamte Rest der Szene reisten wir per Zug an. Als Sammelpunkt erkoren wir Münster aus, von wo aus wir über Osnabrück in die Weserstadt reisen wollten. Der Großteil der Truppe, inklusive dem Schreiber dieser Zeilen, traf sich in Hamm, um von dort aus nach Münser weiter zu reisen. In Hamm teilte man sich den Bahnhof mit der Staatsmacht, die scheinbar nicht so genau wusste, warum sie eigentlich da war. Auf die Frage, auf wen sie eigentlich warten würden, wusste keiner der Verantwortlichen so wirklich eine Antwort. Steuerverschwendung, ick hör dir trapsen! Nachdem man in Münster den Rest der Bande einsammelte, der sich mit einem Frühstück in der hiesigen Kneipenszene stärkte, konnte man sich auf den Weg nach Osnabrück machen, wo man auf den Rest der Szene warten wollte. Die Wartezeit nutzte man dann optimal in der Bahnhofspinte, die mit einer extravaganten Innenausstattung glänzen konnte. Nachdem auch da ein paar kölsche Lieder geschmettert wurden und dem heimischen Fußballverein mitgeteilt wurde, dass man ihn eher nicht so cool fand, konnte man den letzten Teil der Fahrt antreten. Mit dem Regionalexpress ging es an die Weser. Wochenendtickettouren mit der gesamten Szene sind in letzter Zeit leider eine Seltenheit geworden, sind sie doch meistens eine reine Freude. Die Fahrt nach Bremen verlief recht ereignislos, man beschränkte sich auf Bier trinken und hochklassige Gespräche, das übliche also.
In Bremen angekommen, hatte die örtliche Polizei leider etwas dagegen, dass man den Weg zum Stadion zu Fuß antreten wollte. So bekam man extra eine eigens geräumte Bahn gestellt, damit die bösen Hooligans bloß nicht mordend und brandschatzend durch Bremen ziehen würden. Angekommen am Stadion verbrachte ein Großteil unserer Gruppe die Zeit bis zum Spiel in den angrenzenden Kneipen, während ich mich daran machte, die Fahne im Gästeblock anzubringen. Das einzig positive am neuen Gästeblock dort ist, dass man direkt unter dem Dach positioniert ist, was der Lautstärke natürlich zu Gute kommt. Ansonsten kann man leider nicht viel Gutes berichten. Es gibt einen Zaun, der die Sicht stark behindert, sobald man etwas weiter vorne steht. Desweiteren gibt es ein engmaschiges Fangnetz und ein paar Pfosten, die das negative Erlebnis vervollständigen. Zum Spiel selbst kann man nicht viel sagen. Der FC hatte in den letzten Jahren eigentlich nie was aus Bremen entführen können. Und auch diesmal hatte man trotz des zwischenzeitlichen 1-2 durch Podolski nie das Gefühl, dass es an diesem Samstag anders ausgehen könnte. Der Support war trotz der am Ende deutlichen 2-4 Niederlage ansprechend. Vor allem die Hinweise aus dem Gästeblock Richtung Marko Marin, dass die Berufswahl seiner Mutter vielleicht doch nicht ganz glücklich war, wussten aufgrund der brachialen Lautstärke zu gefallen. Die Gegenseite wusste wie in jedem Jahr wieder auf ganzer Linie zu enttäuschen. Nach dem Spiel ging ich trotz der Niederlage mit einem Lachen im Gesicht aus dem Stadion, zu schön war es, endlich wieder live dabei zu sein, mit seinen Freunden im Block zu stehen und abzugehen. Am Bahnhof wurde sogar netterweise ein Zug extra für uns aufgehalten und ein paar gemütliche Abteile für Kölner Fußballfans bereitgestellt. Beim Zwischenstop in Osnabrück hatte man dann genug Zeit, sich zu stärken und anderen Aktivitäten nachzugehen, was alle Anwesenden auch zu Genüge ausnutzten. In Münster trennten sich dann meine Wege von dem Rest des Haufens und ich begab mich auf den Heimweg ins „schöne“ Paderborn. Damit ging eine großartige Tour mit einem eher mittelmäßigen Spiel zu Ende. Die Vorfreude auf den nächsten Sonntag war aber umso größer, denn dann ging es gegen den Hamburger Vorstadtclub erstmals wieder ins heimische Müngersdorfer…

Spex

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