{"id":2,"date":"2011-06-11T19:05:20","date_gmt":"2011-06-11T19:05:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.re7crew.de\/blog\/?page_id=2"},"modified":"2023-04-26T15:08:55","modified_gmt":"2023-04-26T14:08:55","slug":"beispiel-seite","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.re7crew.de\/?page_id=2","title":{"rendered":"Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>Am 20.12.2001 kam vom 1. FC K\u00f6ln das Schreiben, dass die RE7-SupporterS nun ein offiziell eingetragener Fanclub sind. Zu diesem Zeitpunkt bestand dieser neue Fanclub aus 13 Mitgliedern zwischen 16 und 20 Jahren, die aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis, Hagen und Leichlingen kamen. Zu dieser Zeit war dies eher ein Versuch, einen Teil der FC Fans, die man jedes zweite Wochenende im Regionalexpress der Linie 7 von M\u00fcnster traf, besser zu organisieren und ohne gro\u00dfen Aufwand oder gute Kontakte nach K\u00f6ln an Karten f\u00fcr Ausw\u00e4rtsspiele zu kommen.\u00a0<\/p>\n<p>Gegen Ende der Neunziger und um die Jahrtausendwende herum war der RE7 bei Heimspielen immer randvoll mit FC-Fans, die aus Norddeutschland, dem M\u00fcnsterland, Ostwestfalen oder dem Sauerland kamen. Vom Style her trafen sich hier absolute Vollkutten (teils sogar mit vollgen\u00e4hter Hose), Trikottr\u00e4ger und Leute mit Bomberjacken, ganz krasse Leute kombinierten diese Str\u00f6mungen sogar auf \u00e4u\u00dferst l\u00e4ssige Weise. Ultras waren eher ein Randph\u00e4nomen, nur einige wenige Jungs in Harringtons oder den legend\u00e4ren schwarzen WH-Westen \u00fcber grauen Kapus mit Gruppenlogo in der Kapuze fuhren regelm\u00e4\u00dfig mit uns, erz\u00e4hlten uns von italienischen Kurven und zeigten stolz ihre getauschten Collagen.\u00a0<\/p>\n<p>Die meisten Mitfahrer interessierten sich jedoch weniger f\u00fcr organisierten Support und Choreos, sondern f\u00fcr laute Musik, viel Alkohol und spielbezogenen Support in der alten Sch\u00fcssel M\u00fcngersdorf. Dieser beschr\u00e4nkte sich damals jedoch leider h\u00e4ufig auf P\u00f6belei gegen Ordner, Beschimpfung der eigenen Spieler und f\u00fcrchterliche Kuttenlieder wie \u201eHey Baby\u201c oder \u201eYou\u2019ll nerver walk alone\u201c. Die S\u00fcdkurve war entgegen anderslautender Aufn\u00e4her alles andere als eine H\u00f6lle f\u00fcr G\u00e4stefans und konnte nur ganz selten mal durch Lautst\u00e4rke \u00fcberzeugen.\u00a0<\/p>\n<p>Dies geschah meistens bei Siegen, wenn Eismann Jochen vorbeikam oder wenn der Bomber (nicht der boxende Pinguin von Kelsterbach, sondern ein glatzk\u00f6pfiger Fettsack mit Bomberjacke und wei\u00dfen Sneakern) eine Humba anstimmte. Der erste Standort unseres Fanclubs war genau dort zwischen den Bl\u00f6cken 19 und 21 in der alten S\u00fcdkurve.\u00a0<\/p>\n<p>Nach der Gr\u00fcndung des Fanclubs versuchten wir vermehrt, organisiert zu Ausw\u00e4rtsspielen zu fahren. Das Interesse, nicht nur Heimspiele zu besuchen, war allerdings nicht bei allen gegeben. So erweiterte sich der Radius der Spielbesuche eher durch neu hinzugekommene Mitglieder, die deutlich motivierter waren, auch \u00fcber die Grenzen NRWs hinaus den FC zu begleiten.\u00a0<\/p>\n<p>So kam es dann auch, dass die Leute aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen immer \u00f6fter mit den RE7-Fahrern aus dem M\u00fcnsterland, OWL und Niedersachsen zu Ausw\u00e4rtsspielen fuhren, die immer mehr von einem Organisationstalent aus einem M\u00fcnsteraner Vorort geplant wurden. Die alte S\u00fcdkurve wich zur Saison 2002\/03 den Baggern f\u00fcr den Stadionneubau und im Block S2 fanden wir ganz oben einen neuen Standort f\u00fcr die inzwischen schon deutlich vergr\u00f6\u00dferte Gruppe.\u00a0<\/p>\n<p>Im Laufe der Zeit merkten wir jedoch, dass die Mentalit\u00e4ten innerhalb dieser Gruppe stark unterschiedlich waren. W\u00e4hrend die J\u00fcngeren immer mehr Ausw\u00e4rtsspiele besuchten und sich auch von den Abstiegen Nummer zwei und drei nicht entmutigen lie\u00dfen, an Wochentagen in die Ferne zu reisen, blieben einige der \u00c4lteren \u00f6fter zuhause.\u00a0<\/p>\n<p>Dazu kam, dass die jungen Wilden auch vermehrtes Interesse an der Ultraszene und Auseinandersetzungen mit anderen Fanszenen entwickelten und nicht mehr so viel f\u00fcr die Kuttenkultur der 80er und 90er \u00fcbrighatten, die von den Alten noch komplett gelebt wurde. Die Hinwendung zu einer anderen Art der Fankultur der Jungen zeigte sich durch selbst gemalte Doppelhalter und einigen Scharm\u00fctzeln auf An- und Abreisen zu Heim- und Ausw\u00e4rtsspielen. So kam es im Laufe der Zweitligasaison 2004\/05 immer mehr zu einer Spaltung der Fahrer, der darin gipfelte, dass die aktiven Jungs sich von den inaktiven abspalteten und den Namen in \u201eRE7-Crew\u201c \u00e4nderten.\u00a0<\/p>\n<p>Die alte RE7-Supporters-Graffitifahne, die ausw\u00e4rts auch gerne mal von den eigenen Leuten angepisst wurde, damit man sich den Weg zum Klo sparen konnte, wurde durch eine richtige, selbst gemalte Fahne ersetzt und von nun an setzten wir auf einen kleineren Kreis aus etwa 15 Leuten, der sich aus Freunden zusammensetzte, die auch spielfreie Wochenenden miteinander verbrachten und immer noch verschiedene Mentalit\u00e4ten zu einer extrem bunten Gruppe vereinten. M\u00fcnster wurde, nicht nur aufgrund der RE7-WG, zum Zentrum der meisten Aktivit\u00e4ten und Treffpunkt f\u00fcr die meisten Touren.\u00a0<\/p>\n<p>In den n\u00e4chsten Jahren waren wir bei jedem Spiel mit unserem neuen Banner und immer einer zweistelligen Anzahl von Mitgliedern vor Ort, in der 1. Liga fast immer per WET, in der 2.\u00a0 Liga sehr h\u00e4ufig per Bulli, damit auch Leute aus Oelde, Wellendorf, Emsdetten oder Beelen in der Nacht von Montag auf Dienstag noch nach Hause kommen konnten. Viele der Touren wurden einfach zu Legenden, die den J\u00fcngeren von heute immer und immer wieder nach ein paar Bier um die Ohren gehauen werden. Und bei Gott, wir \u00c4lteren werden auch niemals damit aufh\u00f6ren.\u00a0<\/p>\n<p>Da wir mit konstanter Aktivit\u00e4t und sehr selbstbewusstem Auftreten auch auf j\u00fcngere Mitfahrer eine gewisse Anziehungskraft entwickelten, kamen immer wieder neue FC-Fans auf uns zu, die sich an uns orientierten und den Anschluss suchten. In den Jahren um 2010 herum standen wir also vor der Frage, ob wir unseren Freundeskreis f\u00fcr einen eigenen Nachwuchs \u00f6ffnen oder unter uns bleiben und die Fahne lieber mit Ablauf unserer aktiven Jahre irgendwann sterben lassen. Die Entscheidung fiel zu Gunsten neuer Mitglieder, die das Gruppenleben mit ganz neuen Ideen und Einstellungen langfristig bereichern konnten, so dass es r\u00fcckblickend genau richtig war, diese Entscheidung so zu treffen. \u00dcber die Jahre verdichteten sich auch die Kontakte nach K\u00f6ln. Gemeinsame Bustouren, Partys, Fanclubturniere, organisierte Zugfahrten und die Mitwirkung am Fanclub-Dachverband (der Vorl\u00e4ufer des heutigen S\u00fcdkurve e.V.) f\u00fchrten dazu, dass man auch in der Domstadt mitbekam, wessen Geistes Kind wir sind. 2011 feierten wir mit einer dreistelligen Anzahl an Freunden und befreundeten Gruppen in Drensteinfurt bei M\u00fcnster unser zehnj\u00e4hriges Bestehen mit einer Party, die dem Anlass mehr als angemessen war. In den Jahren zuvor waren wir nach und nach bei Heimspielen vom Unterrang in den Oberrang umgezogen, um mit befreundeten Gruppen das Spiel von dort zu verfolgen und hin und wieder in Oldschool-Manier selbst Ges\u00e4nge anzustimmen.\u00a0<\/p>\n<p>In den Folgejahren kam es hin und wieder vor, dass \u00e4ltere Leute wegbrachen und j\u00fcngere dazukamen, die nach sehr genauer Pr\u00fcfung und langer Wartezeit den Zugang zur Gruppe fanden und nach und nach selbst das Bild \u00e4nderten und mitbestimmten. W\u00e4hrend Teile der alten Garde Familien gr\u00fcndeten und sich von Jahr zu Jahr mehr vom Ideal des 34ers entfernten, entwickelte sich ein harter Kern der Gruppe, der sich aus verschiedenen Generationen der Mitglieder zusammensetzt. Dieser Prozess vollzog sich jedoch sehr langsam und bedacht, so dass heute 17 von 26 Mitgliedern seit \u00fcber zehn Jahren RE7-Mitglieder sind, 12 davon sogar seit \u00fcber 15 Jahren.\u00a0<\/p>\n<p>Nach und nach zog es immer mehr Mitglieder nach K\u00f6ln und in andere Teile NRWs, so dass gemeinsame Zugtouren zu Heimspielen nur noch dann stattfanden, wenn wir uns aktiv dazu verabredeten. Daher verlagerte sich das Zentrum der Gruppe auch in die Domstadt. Im Zuge dessen haben wir inzwischen auch Jungs in unseren Reihen, die noch nie mit dem RE7 zum Heimspiel gefahren sind, aber durch gemeinsame Touren und Erlebnisse so enge Freunde geworden sind, dass sie schlicht und ergreifend zu uns geh\u00f6ren.\u00a0<\/p>\n<p>Die pr\u00e4gendsten Ereignisse der j\u00fcngeren Vergangenheit fallen vor allem ins Jahr 2017. Zuerst verstarb unser Freund und Mitglied Simon am Rosenmontag an einem Hirntumor, was das schlimmste und traurigste Kapitel unserer Geschichte darstellt. Pl\u00f6tzlich stand man schweigend neben den Jungs, die sich sonst gegenseitig das Bier wegsaufen, nur sinnlosen Mist erz\u00e4hlen und sich ab einer gewissen Uhrzeit aufeinander st\u00fctzen, um sich noch mehr sinnlosen Mist ins Ohr zu br\u00fcllen, auf dem D\u00fclmener Friedhof. Neben seiner Frau, seiner Tochter, seinen Geschwistern, Eltern und Freunden trafen wir dort auch die Gewissheit, dass einer von uns nie wieder mit uns im Zug, Bus oder Neuner sitzen, nie wieder als Psychoclown pfeifend seinen Schirm drehen, nie wieder seine eigenen Leute bis aufs Blut provozieren und nie wieder jedem Unioner in die Fresse treten wird, der beim Angriff auf unseren Bulli zu nah an die T\u00fcr kommt. Der Tag seiner Beerdigung war mit Sicherheit der krasseste Tag unserer Geschichte.\u00a0<\/p>\n<p>Wie das Leben so spielt erf\u00fcllte sich im gleichen Jahr unser gr\u00f6\u00dfter Traum, nur ein einziges Mal mit dem 1.FC K\u00f6ln im Europapokal zu spielen. Dies geschah verr\u00fcckterweise nicht wie in diversen Tr\u00e4umereien erwartet durch eine Klatsche gegen die Bayern im Pokalfinale, sondern tats\u00e4chlich durch das Erreichen des f\u00fcnften Platzes in der Bundesliga. Den entscheidenden Sieg gegen Mainz, die Schande von London, den Knastbesuch in Minsk und die Cevapcici-Platte in Belgrad hatten wir uns nach dem achten Mal Hundegulasch-Nudeltopf in Aue, der Pimmelei \u00fcber vorher unbekannte Zweitligad\u00f6rfer und so vielen bitteren Niederlagen in wichtigen Spielen (bevorzugt Derbys) so verdient, dass wir Europa einfach komplett gelebt haben. Mehr gibt es dazu einfach nicht zu sagen.<\/p>\n<p>Jetzt stehen wir hier im Jahre 2023 und blicken auf das zur\u00fcck, was hinter uns liegt. Mit etwas Abstand sind wir komplett \u00fcberzeugt, extrem viel richtig gemacht zu haben. Die Mischung aus langsamem Wandel bei gleichbleibendem Grundger\u00fcst seit etwa 15 Jahren f\u00fchrte dazu, dass wir auch heute noch ein eingeschworener und extrem bunter Haufen aus Freunden sind, die durch die Liebe zum FC und den Spa\u00df, unseren Verein immer und \u00fcberall zu begleiten und zu unterst\u00fctzen, zusammengehalten wird.\u00a0<\/p>\n<p>Es ist genau dieser Unterschied zwischen den einzelnen Charakteren, der unsere Gruppe ausmacht und uns all die Jahre so getragen hat, dass wir voller Stolz auf 20 Jahre zur\u00fcckblicken und auf alles, was wir zusammen erlebt, erlitten, geschafft und verkackt haben. Auf dass wir auch weiterhin mit dem gro\u00dfen 1. FC K\u00f6ln in die weite Welt hinausziehen und uns ganz viel von dem beibehalten und leben k\u00f6nnen, was uns und unsere Auffassung vom Fu\u00dfball ausmacht.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Auf die n\u00e4chsten 20, f\u00fcr immer FC K\u00f6ln!<\/p>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 20.12.2001 kam vom 1. FC K\u00f6ln das Schreiben, dass die RE7-SupporterS nun ein offiziell eingetragener Fanclub sind. Zu diesem Zeitpunkt bestand dieser neue Fanclub aus 13 Mitgliedern zwischen 16 und 20 Jahren, die aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis, Hagen und Leichlingen kamen. 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