Geschichte

Am 20.12.2001 kam vom 1. FC Köln das Schreiben, dass die RE7-SupporterS nun ein offiziell eingetragener Fanclub sind. Zu diesem Zeitpunkt bestand dieser neue Fanclub aus 13 Mitgliedern zwischen 16 und 20 Jahren, die aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis, Hagen und Leichlingen kamen. Zu dieser Zeit war dies eher ein Versuch, einen Teil der FC Fans, die man jedes zweite Wochenende im Regionalexpress der Linie 7 von Münster traf, besser zu organisieren und ohne großen Aufwand oder gute Kontakte nach Köln an Karten für Auswärtsspiele zu kommen. 

Gegen Ende der Neunziger und um die Jahrtausendwende herum war der RE7 bei Heimspielen immer randvoll mit FC-Fans, die aus Norddeutschland, dem Münsterland, Ostwestfalen oder dem Sauerland kamen. Vom Style her trafen sich hier absolute Vollkutten (teils sogar mit vollgenähter Hose), Trikotträger und Leute mit Bomberjacken, ganz krasse Leute kombinierten diese Strömungen sogar auf äußerst lässige Weise. Ultras waren eher ein Randphänomen, nur einige wenige Jungs in Harringtons oder den legendären schwarzen WH-Westen über grauen Kapus mit Gruppenlogo in der Kapuze fuhren regelmäßig mit uns, erzählten uns von italienischen Kurven und zeigten stolz ihre getauschten Collagen. 

Die meisten Mitfahrer interessierten sich jedoch weniger für organisierten Support und Choreos, sondern für laute Musik, viel Alkohol und spielbezogenen Support in der alten Schüssel Müngersdorf. Dieser beschränkte sich damals jedoch leider häufig auf Pöbelei gegen Ordner, Beschimpfung der eigenen Spieler und fürchterliche Kuttenlieder wie „Hey Baby“ oder „You’ll nerver walk alone“. Die Südkurve war entgegen anderslautender Aufnäher alles andere als eine Hölle für Gästefans und konnte nur ganz selten mal durch Lautstärke überzeugen. 

Dies geschah meistens bei Siegen, wenn Eismann Jochen vorbeikam oder wenn der Bomber (nicht der boxende Pinguin von Kelsterbach, sondern ein glatzköpfiger Fettsack mit Bomberjacke und weißen Sneakern) eine Humba anstimmte. Der erste Standort unseres Fanclubs war genau dort zwischen den Blöcken 19 und 21 in der alten Südkurve. 

Nach der Gründung des Fanclubs versuchten wir vermehrt, organisiert zu Auswärtsspielen zu fahren. Das Interesse, nicht nur Heimspiele zu besuchen, war allerdings nicht bei allen gegeben. So erweiterte sich der Radius der Spielbesuche eher durch neu hinzugekommene Mitglieder, die deutlich motivierter waren, auch über die Grenzen NRWs hinaus den FC zu begleiten. 

So kam es dann auch, dass die Leute aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen immer öfter mit den RE7-Fahrern aus dem Münsterland, OWL und Niedersachsen zu Auswärtsspielen fuhren, die immer mehr von einem Organisationstalent aus einem Münsteraner Vorort geplant wurden. Die alte Südkurve wich zur Saison 2002/03 den Baggern für den Stadionneubau und im Block S2 fanden wir ganz oben einen neuen Standort für die inzwischen schon deutlich vergrößerte Gruppe. 

Im Laufe der Zeit merkten wir jedoch, dass die Mentalitäten innerhalb dieser Gruppe stark unterschiedlich waren. Während die Jüngeren immer mehr Auswärtsspiele besuchten und sich auch von den Abstiegen Nummer zwei und drei nicht entmutigen ließen, an Wochentagen in die Ferne zu reisen, blieben einige der Älteren öfter zuhause. 

Dazu kam, dass die jungen Wilden auch vermehrtes Interesse an der Ultraszene und Auseinandersetzungen mit anderen Fanszenen entwickelten und nicht mehr so viel für die Kuttenkultur der 80er und 90er übrighatten, die von den Alten noch komplett gelebt wurde. Die Hinwendung zu einer anderen Art der Fankultur der Jungen zeigte sich durch selbst gemalte Doppelhalter und einigen Scharmützeln auf An- und Abreisen zu Heim- und Auswärtsspielen. So kam es im Laufe der Zweitligasaison 2004/05 immer mehr zu einer Spaltung der Fahrer, der darin gipfelte, dass die aktiven Jungs sich von den inaktiven abspalteten und den Namen in „RE7-Crew“ änderten. 

Die alte RE7-Supporters-Graffitifahne, die auswärts auch gerne mal von den eigenen Leuten angepisst wurde, damit man sich den Weg zum Klo sparen konnte, wurde durch eine richtige, selbst gemalte Fahne ersetzt und von nun an setzten wir auf einen kleineren Kreis aus etwa 15 Leuten, der sich aus Freunden zusammensetzte, die auch spielfreie Wochenenden miteinander verbrachten und immer noch verschiedene Mentalitäten zu einer extrem bunten Gruppe vereinten. Münster wurde, nicht nur aufgrund der RE7-WG, zum Zentrum der meisten Aktivitäten und Treffpunkt für die meisten Touren. 

In den nächsten Jahren waren wir bei jedem Spiel mit unserem neuen Banner und immer einer zweistelligen Anzahl von Mitgliedern vor Ort, in der 1. Liga fast immer per WET, in der 2.  Liga sehr häufig per Bulli, damit auch Leute aus Oelde, Wellendorf, Emsdetten oder Beelen in der Nacht von Montag auf Dienstag noch nach Hause kommen konnten. Viele der Touren wurden einfach zu Legenden, die den Jüngeren von heute immer und immer wieder nach ein paar Bier um die Ohren gehauen werden. Und bei Gott, wir Älteren werden auch niemals damit aufhören. 

Da wir mit konstanter Aktivität und sehr selbstbewusstem Auftreten auch auf jüngere Mitfahrer eine gewisse Anziehungskraft entwickelten, kamen immer wieder neue FC-Fans auf uns zu, die sich an uns orientierten und den Anschluss suchten. In den Jahren um 2010 herum standen wir also vor der Frage, ob wir unseren Freundeskreis für einen eigenen Nachwuchs öffnen oder unter uns bleiben und die Fahne lieber mit Ablauf unserer aktiven Jahre irgendwann sterben lassen. Die Entscheidung fiel zu Gunsten neuer Mitglieder, die das Gruppenleben mit ganz neuen Ideen und Einstellungen langfristig bereichern konnten, so dass es rückblickend genau richtig war, diese Entscheidung so zu treffen. Über die Jahre verdichteten sich auch die Kontakte nach Köln. Gemeinsame Bustouren, Partys, Fanclubturniere, organisierte Zugfahrten und die Mitwirkung am Fanclub-Dachverband (der Vorläufer des heutigen Südkurve e.V.) führten dazu, dass man auch in der Domstadt mitbekam, wessen Geistes Kind wir sind. 2011 feierten wir mit einer dreistelligen Anzahl an Freunden und befreundeten Gruppen in Drensteinfurt bei Münster unser zehnjähriges Bestehen mit einer Party, die dem Anlass mehr als angemessen war. In den Jahren zuvor waren wir nach und nach bei Heimspielen vom Unterrang in den Oberrang umgezogen, um mit befreundeten Gruppen das Spiel von dort zu verfolgen und hin und wieder in Oldschool-Manier selbst Gesänge anzustimmen. 

In den Folgejahren kam es hin und wieder vor, dass ältere Leute wegbrachen und jüngere dazukamen, die nach sehr genauer Prüfung und langer Wartezeit den Zugang zur Gruppe fanden und nach und nach selbst das Bild änderten und mitbestimmten. Während Teile der alten Garde Familien gründeten und sich von Jahr zu Jahr mehr vom Ideal des 34ers entfernten, entwickelte sich ein harter Kern der Gruppe, der sich aus verschiedenen Generationen der Mitglieder zusammensetzt. Dieser Prozess vollzog sich jedoch sehr langsam und bedacht, so dass heute 17 von 26 Mitgliedern seit über zehn Jahren RE7-Mitglieder sind, 12 davon sogar seit über 15 Jahren. 

Nach und nach zog es immer mehr Mitglieder nach Köln und in andere Teile NRWs, so dass gemeinsame Zugtouren zu Heimspielen nur noch dann stattfanden, wenn wir uns aktiv dazu verabredeten. Daher verlagerte sich das Zentrum der Gruppe auch in die Domstadt. Im Zuge dessen haben wir inzwischen auch Jungs in unseren Reihen, die noch nie mit dem RE7 zum Heimspiel gefahren sind, aber durch gemeinsame Touren und Erlebnisse so enge Freunde geworden sind, dass sie schlicht und ergreifend zu uns gehören. 

Die prägendsten Ereignisse der jüngeren Vergangenheit fallen vor allem ins Jahr 2017. Zuerst verstarb unser Freund und Mitglied Simon am Rosenmontag an einem Hirntumor, was das schlimmste und traurigste Kapitel unserer Geschichte darstellt. Plötzlich stand man schweigend neben den Jungs, die sich sonst gegenseitig das Bier wegsaufen, nur sinnlosen Mist erzählen und sich ab einer gewissen Uhrzeit aufeinander stützen, um sich noch mehr sinnlosen Mist ins Ohr zu brüllen, auf dem Dülmener Friedhof. Neben seiner Frau, seiner Tochter, seinen Geschwistern, Eltern und Freunden trafen wir dort auch die Gewissheit, dass einer von uns nie wieder mit uns im Zug, Bus oder Neuner sitzen, nie wieder als Psychoclown pfeifend seinen Schirm drehen, nie wieder seine eigenen Leute bis aufs Blut provozieren und nie wieder jedem Unioner in die Fresse treten wird, der beim Angriff auf unseren Bulli zu nah an die Tür kommt. Der Tag seiner Beerdigung war mit Sicherheit der krasseste Tag unserer Geschichte. 

Wie das Leben so spielt erfüllte sich im gleichen Jahr unser größter Traum, nur ein einziges Mal mit dem 1.FC Köln im Europapokal zu spielen. Dies geschah verrückterweise nicht wie in diversen Träumereien erwartet durch eine Klatsche gegen die Bayern im Pokalfinale, sondern tatsächlich durch das Erreichen des fünften Platzes in der Bundesliga. Den entscheidenden Sieg gegen Mainz, die Schande von London, den Knastbesuch in Minsk und die Cevapcici-Platte in Belgrad hatten wir uns nach dem achten Mal Hundegulasch-Nudeltopf in Aue, der Pimmelei über vorher unbekannte Zweitligadörfer und so vielen bitteren Niederlagen in wichtigen Spielen (bevorzugt Derbys) so verdient, dass wir Europa einfach komplett gelebt haben. Mehr gibt es dazu einfach nicht zu sagen.

Jetzt stehen wir hier im Jahre 2021 und blicken auf das zurück, was hinter uns liegt. Mit etwas Abstand sind wir komplett überzeugt, extrem viel richtig gemacht zu haben. Die Mischung aus langsamem Wandel bei gleichbleibendem Grundgerüst seit etwa 15 Jahren führte dazu, dass wir auch heute noch ein eingeschworener und extrem bunter Haufen aus Freunden sind, die durch die Liebe zum FC und den Spaß, unseren Verein immer und überall zu begleiten und zu unterstützen, zusammengehalten wird. 

Es ist genau dieser Unterschied zwischen den einzelnen Charakteren, der unsere Gruppe ausmacht und uns all die Jahre so getragen hat, dass wir voller Stolz auf 20 Jahre zurückblicken und auf alles, was wir zusammen erlebt, erlitten, geschafft und verkackt haben. Auf dass wir auch weiterhin mit dem großen 1. FC Köln in die weite Welt hinausziehen und uns ganz viel von dem beibehalten und leben können, was uns und unsere Auffassung vom Fußball ausmacht.

 

Auf die nächsten 20, für immer FC Köln!